Szenen aus einem Leben mit Smartphone.

(Dieser Text ist eine Fortsetzung der Szenen aus einem Leben ohne Smartphone.)

Smartphone angeschafft

I

Es ist früh an diesem Morgen. Oh, so früh – unmenschlich früh! Ich muss einen Zug kriegen und vor 06:00 aufstehen. Es ist so früh, dass ich nicht mal frühstücke.
Was mich die ersten Stunden nach dem grausamen Erwachen am Leben hält ist eigentlich Musik.

Tatsächlich habe ich nun doch den MP3-Player vergessen, es muss die morgendliche Eile gewesen sein.

Macht nichts, wozu hab‘ ich denn mein Smartphone und die Musik?

Pustekuchen! Die Internetverbindung im Zug ist ausnehmend schlecht, so schlecht, dass ich viel zu lange immer nur die gleichen 20 Sekunden des gleichen Songs hören kann. Irgendwann gebe ich’s auf und verdöse den Rest der Fahrt.

II: Apple

Dieses Mal bin ich schlauer: Ich will mir Musik auf das Handy übertragen und quasi das Handy wie einen MP3-Player nutzen. (Zwischen dieser und der letzten Szene ist etwas Zeit vergangen, der Player hat sich mittlerweile verabschiedet.)

Diese Rechnung habe ich ohne Apple gemacht: Statt einfach, wie ich das kenne, einen Wechseldatenträger angezeigt zu bekommen, läuft alles über I-Tunes. I-Tunes erkennt meine meisten Songs leider nicht und so kann ich sie auch nicht ohne weiteres mal eben ‚rüber kopieren. Eindeutig ein Nachteil von Apple-Produkten. (Sicher, das Problem lässt sich lösen, aber eben nur mit Extraaufwand.)

Zu den wenigen Songs, die ich tatsächlich auf’s Handy kriege gehört – nicht gerade das, was man an einem anstrengenden Tag hören will, denn dieser Zynismus ist demotivierend.

III: Tarifgedöns

Irgendwie habe ich jetzt 4,5€ mehr gezahlt als geplant. Ist nicht die Welt, nervt mich trotzdem irgendwie und so stelle ich die mobilen Daten für die meisten Apps erst mal aus, bis ich einen besseren Tarif gefunden habe. Heutzutage kann man nicht mehr einfach einen neuen Handytarif wählen, das ist eine eigene Wissenschaft.

(An dieser Stelle herzliche Grüße an den „Kundenberater“, der mich mehrfach ungefragt auf diversen Kanälen kontaktiert hat, um mir einen vollkommen nutzlosen Tarif mit Telefonierflatrate aufzuschwatzen. An einem Samstagmorgen.)

Okay, die Daten sind ausgestellt und ich zahle nur für mehr Volumen, das ich auch tatsächlich will. Ist ja in Ordnung, aber eigentlich auch nicht so Sinn der Sache.

IV: wohin des Wegs

Klassische Situation: Auf dem Weg zu einem Treffen, ich kenn‘ die Stadt noch nicht so gut und hatte zu Hause keine Zeit mehr, in Ruhe den Weg nachzuschauen. (Zur Not könnte ich ja meine Freunde anrufen.)

Sowohl die Bahnverbindungs-App als auch Google Maps helfen mir sehr gut weiter. Ohne Smartphone hätte ich mich nicht so schnell zurechtgefunden.

V: in die Irre

Eine ähnliche Situation wie die vorige: Der Ort eines Treffens ist zwar bekannt gegeben, aber mir nicht bekannt. Große Hetze beim Aufbruch; ein Zug, den ich kriegen muss.

Dieses Mal funktioniert die Navigation leider nicht, denn ich bin an einem Ort gelandet, an dem die Internetverbindung irgendwo zwischen schlecht und nicht existent liegt. (Ja, es gibt tatsächlich noch so was wie Funklöcher. Das hatte ich verdrängt.)

Meine Lehre daraus: Verlassen werde ich mich in Zukunft eher nicht auf die Smartphonenavigation, denn das kann blöde enden.

Wie hat sich mein Leben verändert, seit ich ein Smartphone habe?

Eigentlich lebe ich genau so wie vorher. Es ist nichts grundlegend anders.

Es gibt mehr Tage, an denen ich mein Smartphone nicht als Smartphone, sondern wie ein gewöhnliches Handy benutze, als es Tage gibt, an denen ich die Smartphone-Funktionen aktiv benutze.

Aber es gibt sie.

Ab und zu, vielleicht, wenn ich im Wartezimmer sitze beispielsweise, habe ich nun die Möglichkeit, online Nachrichtenseiten zu lesen, statt auf eine zwei Jahre alte Ausgabe von ökotest zurückzugreifen. (Bei meinem Hautarzt gibt’s nur die ökotest und Klatschmagazine…)

Da das aber schon ein paar Mal im Fall der Fälle nicht funktioniert hat, mir einen Weg oder eine Verbindung schnell herauszusuchen, mache ich immer noch Notizen, die ich mir mitnehme.

Und das ist auch das, was mich eigentlich wirklich ärgert:

Das, was mir an meinem am besten gefällt, ist die passable Kamera. Natürlich, aber um mal schnell ein witziges Detail zu knipsen, an das ich mich erinnern will, oder einen netten Moment mit Mitmenschen festzuhalten, reicht sie aus.

Whatsapp? Ja oder nein?

Im Moment habe ich mir noch kein Whatsapp installiert, doch ich spiele immer wieder mit dem Gedanken. Dann wäre ich nicht immer die antimoderne Kulturkritikerin, die noch mal gesondert irgendwohin eingeladen wird.

Das wäre schon ganz nett, aber, ob ich die vielen Nachrichten, die nicht alle relevant sind, dann nicht doch schnell nervig finde?

Jedenfalls habe ich öfter mitbekommen, wie über Whatsapp Fotos verschickt werden, Witze aufgewärmt usw. Das ist jetzt nicht das wichtigste der Welt, aber eben irgendwie ein soziales Erlebnis. Vermutlich verpasse ich dort weniger, als ich so denke, aber darüber kann ich mir erst so richtig eine Meinung bilden, wenn ich es mal ausprobiere. Woher soll ich wissen, was ich dort verpasse, wenn ich es nicht sehe?

Ja, ihr seht also, ich habe Angst, etwas zu verpassen und deshalb installiere ich mir bald Whatsapp.

Es bleibt die Sache mit dem Datenschutz, der bei Whatsapp nicht so gut läuft. Die Sogwirkung von Plattformen: Wenn erstmal genügend Menschen diesen einen Dienst nutzen, ist es schwer, sie zu den existierenden Alternativen hinüberzubewegen. Und die Menschen, die das eigentlich nicht wollen (so wie ich), machen das dann trotzdem mit, weil man Chatdienste eben nutzt, um mit Freund*innen und Bekannten zu kommunizieren, die dafür den gleichen Dienst nutzen müssen.

Fazit: ab und zu ist ein Smartphone ganz praktisch

Es gibt ein paar Situationen, in denen es wirklich praktisch ist, ein Smartphone dabei zu haben. Sich darauf verlassen, ist aber nicht unbedingt ratsam: Der Akku ist so schnell leer und die Internetverbindung deutlich weniger stabil als ich es mir vorgestellt hatte. Nein, das I-Phone revolutioniert mein Leben nicht, aber es ist nicht schlecht.

Lohnt es sich, dafür mehr Geld auszugeben?

der Kostenfaktor

Mein Gerät, ein I-Phone 4s, hat mir jemand überlassen, der es nicht mehr braucht. Ich hatte also keine Zusatzkosten dafür und würde deswegen auch nicht durchdrehen, wenn’s kaputt geht: Dann hole ich halt wieder das alte aus der Schublade. Für zwei Euro habe ich mir jetzt noch eine Schutzhülle im Angebot gekauft, die für den Preis gar nicht mal so scheiße aussieht.

Smartphone angeschafft - und Handyhülle

Die Mehrkosten, die ich habe, sind also überschaubar: 15 Euro musste ich bezahlen, weil die Simkarte aus dem alten Handy zu groß für das I-Phone war. Ich habe noch einen ganz alten Base-Tarif, bei dem ich jeden Monat Flatrates ab- und dazubuchen kann. Das ist sehr praktisch und so zahle ich im Moment nur 7€ mehr für meine Daten.

irrational und albern

Ich kann’s nicht anders sagen, irgendwie schäme ich mich für mein apple-Produkt. Es ist noch nicht so lange her, da hab‘ ich immer darüber gelästert, wie man so viel Geld ausgeben kann, nur um die coolere Marke zu haben.

Dass die Produktionsbedingungen für Elektronik jeglicher Hersteller miserabel sind, ist ja nun hinlänglich bekannt und von daher finde ich es relativ scheinheilig, sich da jetzt nur auf apple zu beziehen und einzig diese Marke abzulehnen. Im Hinblick auf Produktionsbedingungen macht es keinen Unterschied, ob ich jetzt Apple, Samsung oder sonstetwas benutze. Die einzige bessere neu gekaufte Alternative wäre ein Fairphone.

Da finde ich aber die Nutzung eines gebrauchten Handys, das es ohnehin schon gibt, noch die bessere Lösung. (Es ist sogar so, dass ich kein Geld für ein neues ausgegeben hätte, weil mir der Besitz eines Smartphones so wichtig nun auch nicht war.)

(Übrigens habe ich in meinem ganzen Leben noch kein neues Handy gehabt und auch noch nie Geld für ein Handy ausgegeben. Es macht mir etwas Angst, dass es zum guten Ton gehört, alle zwei Jahre ein neues zu bekommen. Was für ne Ressourcenverschwendung!)

Aber ernsthaft: Bis jetzt finde ich das Telefon ganz benutzerfreundlich und ich ziehe in Erwägung, dass das „Apple Produkte funktionieren besser„-Argument, das ich schon oft gehört, aber nie ernst genommen habe, vielleicht ein bisschen zutrifft.

Welcome to the dark side, da, wo man nachts gucken kann, wann die letzte Bahn fährt und sich Cookierezepte aus Kundenmagazinen abfotografiert.

Und, wie hat sich euer Leben durch ein Smartphone verändert? Oder hat es sich gar nicht verändert?

PS: Hier zum Vergleich der Artikel: Szenen aus einem Leben ohne Smartphone.


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1 Kommentar

  • Sascha sagt:

    Schade, deine Argumente gegen ein Smartphone fand ich gut. Praktisch ist es schon, ich Frage mich nur immer ob ich es denn wirklich brauche. Manchmal erwische ich mich dabei auf das Phone zu schauen und direkt zu merken wie unnütz es gerade war. Teilweise fühlt es sich auch irgendwie lästig an, kontrollierend. Vielleicht schaffe ich es doch noch ab…

    Sascha

1 Trackback

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