Wie nachhaltig war das Jahr? Mein grüner Jahresrückblick 2015.

grüner Jahresrückblick: Nachhaltiges 2015?

Noch mehr als Wunderkerzen zu Silvester mag ich Jahresrückblicke zum Dezemberende. Ich habe eine Weile überlegt, wie ich meinen dieses Jahr aufziehen soll. Ein ganz persönlicher Jahresrückblick ist mir für’s Internet irgendwie zu privat, also habe ich mich entschlossen, einfach mal einen Teil herauszupicken. Welcher könnte dafür besser geeignet sein, als das Thema, auf das ich diesen Blog versuche, wenigstens ein bisschen zu beschränken: Nachhaltigkeit und ein ökologischer Lebensstil.

Ich beginne mit meinem persönlichen Lebensstil und werde später auch auf allgemeinere Themen eingehen.

(Wer vergleichen möchte, kann sich hier meinen Rückblick von vor einem Jahr ansehen.)

erste Male: Haarseife u.a

Was habe ich in diesem Jahr neues probiert? (Natürlich im Bereich Ökoleben.)

Vintagebild von einer Frau, die sich die Haare wäscht.

  • Ich habe Haarseife geschenkt bekommen, ausprobiert und finde sie gut. Der ökologische Vorteil daran ist für mich vor allem, dass weniger Plastikmüll durch Shampooflaschen produziert wird. Unabhängig davon scheint’s meinen Haaren auch extrem gut zu tun (Allergikerin und so), also werde ich das im kommenden Jahr regelmäßiger verwenden. Zwei Fliegen auf einen Schlag.(Danke..:))
  • Das erste Mal in meinem Leben habe ich einen Baum umarmt. Ich wurde dazu aufgefordert, es war Teil von einer Art Spiel. Er fühlte sich kalt an, was daran liegen könnte, das ich Anfang Februar gegen Abend in einem Wald war. Der Funke ist irgendwie nicht übergesprungen…
  • Außerdem habe ich tatsächlich das erste Mal etwas in einem Second Hand Laden gekauft. Einen Gürtel.

reuse – repair – recycle

Ich habe öfter mal Sachen gebraucht organisiert, das könnt ihr hier bei meinem Beitrag über den Tauschbasar nachlesen. Das hat mir gut gefallen. Wenn ich Sachen nicht so richtig dringend brauche und mir Zeit lassen kann, bis ich zufällig über das richtige stolpere, ist das super. Wirklich ärgerlich wird es dann bei grundlegenden, wichtigen Gebrauchsgegenständen:

Mein Laptop war kaputt. Der Hersteller wollte für die Reparatur (Garantiezeit gerade so eben abgelaufen) 180 € haben – für das Einsetzen einer einzigen Schraube, die aber wichtig war, weil der Bildschirm sonst über kurz oder lang abgebrochen wäre…

Ich war kurz davor, einzuknicken und mir einen neuen Computer zu kaufen, weil der Computer eben auch schon wieder einen neuen Akku braucht usw. – dann habe ich aber für 15 € einen Laden in der Nachbarschaft gefunden, der noch selbst an Computern herumschraubt. Das habe ich dann doch vorgezogen. Durch das ganze Hin- und Her hatte ich aber zwei Monate lang keinen Laptop. Das ging nur, weil ich ihn gerade nicht für wichtige Dinge brauchte.

Mein Rückschluss daraus: Reparieren muss bequemer werden, dann machen es vielleicht auch mehr Menschen.

Ach und nähen kann ich auch immer noch nicht.

Ernährung: Tierprodukte

Wie auch in den vergangenen Jahren bin ich meinem Grundsatz „so vegan wie möglich“ recht treu geblieben. Fleisch esse ich grundsätzlich nicht. Andere Tierprodukte konsumiere ich dann, wenn es sich nicht ohne größeren Aufwand vermeiden lässt, also: auf Reisen, zu Besuch, betrunken.

Alle Jubeljahre kommt die Käseschmacht, meistens in Verbindung mit (s.o.) den typischen drogeninduzierten Fressflashs. Äh. Dann gibt’s halt mal ‚ne Packung Mozzarella. Kommt selten vor, aber kommt vor.

So kann das 2016 auch wieder sein. Vielleicht noch hinzuzufügen: vegan zu essen wird auch auf Reisen, zumindet innerhalb Europas, immer leichter. Ich war wirklich überrascht, in Kroatien auf rohvegane Restaurants zu treffen und auch in Budapest kam ich besser durch als erwartet. Es tut sich ‚was.

Ich ernähre mich nicht besonders regional und saisonal und fände das, ehrlich gesagt, auch sehr schwierig. So schwierig, dass ich mir gerade nicht vorstellen kann, auf Avocados und Orangensaft (…) zu verzichten. Dafür bin ich zu sehr Foodie. Irgendwann mal vielleicht.

Essen des Jahres: Hummus. (Nach diesem Rezept, aber mit der dreifachen Menge Tahina. Mindestens.)

Fliegen

Was einen nachhaltigen Lebensstil angeht, ist und bleiben Flugreisen meine Schwäche. Ich bin dieses Jahr zwei Mal geflogen. Einmal nach Ägypten und Anfang des Jahres nach Israel.

Dazu sollte ich vielleicht sagen: Mein Freund ist Israeli und fliegt deswegen regelmäßig in die Heimat. Weil freie Zeit und Geld zum Wegfahren begrenzt ist, komme ich dann meistens mit und mache mir dort eine nette Zeit in der Sonne, es wird dann eine Mischung aus Urlaub-Verwandtenbesuch-Ferien. Wäre mein Freund nicht zufällig dorther, wäre ich vielleicht auch einmal weniger geflogen, trotzdem…

Im Moment sehe ich kaum eine sinnvolle Möglichkeit, den Trend zu immer mehr Flugreisen zu ändern. Ich kenne jede Menge Ökos, die sich in Permakulturprojekten engagieren, die Natur lieben, aber mehrmals im Jahr Interkontinentalflüge machen. Tja nun.

Das ist alles irgendwie ein Widerspruch. Ich lasse den mal so stehen und hoffe auf eine Flugindustrie, die bitte jetzt endlich mal umweltfreundlichere Verfahren entwickelt. Bis dahin versuche ich, wenig zu fliegen.

Das ist aber nicht leicht. Meine Eltern würden mir einen Flug nach Spanien im Winter bezahlen. Für ein Wochenende, um kurz mal meine Schwester zu besuchen. Es ist einfach verlockend und wenn ich Menschen von meinen ökologischen Bedenken erzähle, lächeln sie nur müde. Ja, auch die Ökos.

Eine angemessene Besteuerung könnte vielleicht auch helfen, Leute zu motivieren, öfter mal Bahn zu fahren. Darüber hab‘ ich mir kürzlich schon aufgeregt.

Ich will mich ja ändern, aber es wird mir tatsächlich schwer gemacht.

kleine Schritte: Saft aus Flaschen

Saft in Glasflaschen, um Plastikmüll zu vermeiden

In der letzten Zeit versuche ich, wenn ich Saft kaufe, diesen nicht mehr in Tetrapaks zu besorgen, sondern Saft aus Glasflaschen zu kaufen. So möchte ich weniger Müll produzieren.

Es sind kleine Schritte wie diese, die ich 2015 gemacht habe und keine riesigen Änderungen. Manche Dinge eines nachhaltigen Lebensstils sind für mich schon sehr Alltag, andere erscheinen mir gerade nur schwer durchsetzbar.

flüchten und Nachhaltigkeit

2015 wurde von der so genannten Flüchtlingskrise dominiert. (Ich nenne sie lieber Menschlichkeitskrise.) Ich war mittendrin, denn als im Sommer die Grenzkontrollen wieder eingeführt wurden, war ich gerade auf Interrailreise durch Europa; auf der Balkanroute. Eigentlich wollten wir bis nach Griechenland, aber dann wurden plötzlich viele Zuglinien eingestellt und irgendwie erschien mir die Frage, wie ich nach Hause komme, dann im Angesicht der humanitären Probleme auch nicht mehr so wichtig.

Drähte am Wolkenhimmel

Zugpanne auf der Interrailreise

Schild: Zug fährt von Budepest nach Zagreb

(Kleine Hintergrundinfo: Diese Bilderserie ist entstanden, als unser Zug irgendwo auf der Strecke zwischen Budapest und Zagreb plötzlich angehalten hat. Stundenlang stand er da in der Sonne, niemand wusste was los ist. Wir wussten noch nicht mal, ob wir noch in Ungarn oder schon in Kroatien sind. Kein Handyempfang, Verständigungsschwierigkeiten mit dem Zugpersonal. Irgendwann hat sich herausgestellt, dass es wohl einen Stromausfall gab.

Es gibt schlimmeres, wenn man sich so eine Reise freiwillig ausgesucht hat. Monatelang auf so eine Art und voller Ungewisseheit zu reisen, muss allerdings schrecklich sein.)

Zugpanne auf der Interrailreise

Zugpanne in Kroatien auf der Interrailreise

Pflanzem im Gleisbett

Die Verbindung von Umweltproblemen, unserem (Konsum-)Verhalten und Flucht ist in der öffentlichen Debatte eine weitgehende Leerstelle. Es wird immer so getan, als wäre es irgendwie überraschend, dass es vielen Menschen schlecht geht und diese nun nach Europa möchten. Das ist nicht so. Experiment Selbstversorgung schließt diese diskursive Lücke. Es gibt da Verbindungen und ich halte es für wichtig, dass wir uns diese stärker bewusst machen.

(Wusstet ihr zum Beispiel, welche Rolle der Klimawandel für die Entwicklungen in Syrien spielt? Dieser Comic erklärt’s.)

Erkenntnisse

Durch den Ägyptenaustausch habe ich noch mal realisiert, was für ein Luxus es eigentlich ist, saubere Luft zu atmen. Schaut euch doch mal diesen Smog über Kairo an! Eigentlich möchte ich nur sehr sehr ungern das Vorurteil stützen, dass afrikanische Städte alle dreckig sind, aber das hat mich doch negativ überrascht:

Smog über Kairo (Ägypten)

(Damit hier kein falscher Eindruck entsteht, möchte ich darauf hinweisen, dass der ökologische Fußabdruck einer durchschnittlichen Ägypterin weitaus niedriger ist als der eines Deutschen und es nicht so ist, dass wir Westler die nachhaltigeren Menschen sind. So.)

groß denken und viel verändern

Insgesamt lag der Fokus bei mir in diesem Jahr wohl weniger auf meinem eigenen Lebensstil und mehr auf den großen Themen, wobei ich auch finde, dass diese beiden Dimensionen miteinander verwoben sind.

Es wird mir wichtiger, Wissen zu teilen und mit Menschen in Verbindung zu treten, die ähnliche Ansichten haben, um auch politisch orientiert einen Wandel zu erreichen. 2016 möchte ich mich deswegen noch mehr als vorher in Gruppen tätig sein. Außerdem hoffe ich, dass ich einige Artikel schreiben kann, in denen die Zusammenhänge von neoliberalem Kapitalismus, Patriarchat und Umweltzerstörung noch deutlicher werden, weil die Zusammenhänge für meinen Geschmack viel zu wenig thematisiert werden.

Und wie nachhaltig war das Jahr für euch? Wo hakts noch und wo macht ihr schon etwas richtig? Welche Themen dominierten für euch, in eurem persönlichen Leben? Und wie wichtig ist Nachhaltigkeit für euch gewesen?

Weniger ist mehr Leben hat auch einen nachhaltigen Jahresrückblick gemacht. Vielleicht mag sich ja noch jemand anschließen?


Zum Vergleich: Hier ist mein Jahresrückblick von vor einem Jahr.


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6 Kommentare

  • Natalie sagt:

    Was für ein großartiger Jahresrückblick, danke dafür, wirklich eine tolle Idee <3
    Einige dieser Themen haben mich dieses Jahr auch sehr beschäftigt, über manche davon werde ich auch noch schreiben, weil ich es einfach so wichtig finde, zu zeigen, dass "es" (Konsum, der Umgang der Menschen miteinander oder mit der Umwelt…) auch anders geht. Ich freue mich, dass aus vielen "Was kann ich schon allein bewirken?" inzwischen eine Bewegung geworden ist.

    Alles Liebe
    Natalie

    • Simsalabim sagt:

      Freut mich, dass es dir gefällt. :)

      Ja, ich hoffe sehr, dass es auch tatsächlich etwas bewirkt. Manchmal zweifel ich, aber dann schau ich mir all die motivierten Menschen in meiner Umgebung (und im Internet:)) an und denke schon wieder positiver.

  • Toller Jahresrückblick!
    Geflogen bin ich zwar nicht, aber unser Roadtrip Urlaub war mit nem gemieteten Auto. Aber da wir überhaupt kein Auto haben und es mieten mussten, war die Reise ansich schon etwas besonders. Wenn man im Alltag Bus und Bahn fährt, kann man sich auch mal für zwei Wochen ein Fahrzeug „gönnen“. So haben wir es uns zumindest hinargumentiert…

    Ansonsten habe ich durch Chris Kochtüte sehr viel mehr regionales und saisonales Gemüse gegessen ohne Mehraufwand, allerdings ist meine Plastikmüll-Bilanz ziemlich negativ. Seit wieder ein Supermarkt um die Ecke auf hat, erkaufe ich mir dort auch meine Faulheit…Das will ich 2016 aber wieder ändern.

    Für O-Saft aus der Flasche empfehle ich Bauers Bio O-Saft, der schmeckt mir nach diversen Safttests am allerbesten. Oh shit das klingt wie Werbung, ist es auch hm. naja du weißt schon wie ich das meine..

    LG
    FDD

    • Simsalabim sagt:

      Danke :)

      Achja, Auto find ich da schon irgendwie im Vergleich deutlich weniger schlimm. Ist schon noch mal ne andere Liga als fliegen, finde ich und würde da auch sagen: Kann man schon mal machen. Kasteien sollten wir uns ja nun schließlich auch nicht.

      Bauers kenn ich gar nicht, aber ich greife da eigentlich auch immer auf den Saft zurück, den es halt in der Nähe zu kaufen gibt und bin da ganz zufrieden. Werbung hat also nicht gefruchtet. 😛

      FDD?

  • Schöner Rückblick und ich sehe es absolut wie du: jeder kleine Schritt (in Richtung Nachhaltigkeit) den man macht, ist absolut viel Wert, denn es sind doch meistens die Kleinigkeiten, mit denen man viel bewirken kann (Flaschen statt Tetrapacks ect^^) :-) Finde ich super!

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