Nachhaltig konsumieren: Mein erster *Haul* vom Tauschbasar.

Beim Eintippen der Überschrift muss ich grinsen. Ein Haul? Von mir? So richtig konnte ich mich für dieses Internetgenre nie begeistern. Dafür interessieren mich Kleider und Kosmetika vielleicht einfach zu wenig. Noch viel weniger bin ich so ein Mensch, der neu gekaufte Dinge gar selbst stolz herumzeigen würde. Ist mir zu prätentiös, einfach nicht meine Art. Ich hätte immer die Befürchtung, die Grenze zum Herumprahlen zu überschreiten. Und überhaupt. Nee.

Den Namen an sich finde ich schon lustig. Haul. Beutezug. Immer wieder schön, wenn Leute von ihren Shoppingerfahrungen sprechen wie Onkel Willibald von der Schleppjagd. Schöner sind da eigentlich nur Kriegsmetaphern: Mancherorts las ich schon davon, sich ins Getümmel zu stürzen und einen Schlachtplan für eine Shoppingtour zu entwerfen. Nicht meine Welt.

Eigentlich.

Um so mehr Spaß macht es mir, heute mal mit Erwartungen zu brechen und einen kleinen Haul zu präsentieren. Das alles ist natürlich in eine Hintergrundgeschichte eingebettet: Ich möchte gerne vom fairmondo Tauschbasar erzählen, weil mir die Veranstaltung so gut gefallen hat.

wie läuft so ein Tauschbasar ab?

Ich zitiere an dieser Stelle mal die Homepage der Veranstalter*innen:

  • „Ihr kommt mit euren Sachen an und gebt diese am Empfang ab. Dafür erhaltet ihr von uns “Wertmarken”. Wieviele Tauschpunkte (1, 2 oder 3 je Artikel) ihr bekommt, hängt von den einzelnen Gegenständen ab.

  • Wir bringen die Tauschgegenstände nach ihrer Punktzahl in die “1er-“, “2er-” und “3er-Ecke”. So ist stets leicht ersichtlich, wieviele Tauschpunkte ihr für jede Sache benötigt.

  • […] Am Ende geht ihr mit euren Fundstücken an den Empfang und “bezahlt” diese mit euren „Wertmarken“.

Übriggebliebene “Wertmarken” könnt ihr uns spenden oder für den nächsten Tauschbasar behalten. […]

Erfahrungsgemäß bleiben bei jedem Tauschbasar zahlreiche Kleidungsstücke, Bücher, Dekoration etc. übrig. Diese Gegenstände spenden wir an soziale Einrichtungen und Initiativen.

Bringt bitte mit, was ihr selbst auch mitnehmen würdet – also all das, was gut erhalten, sauber, funktionsfähig und zu schade zum Wegwerfen ist.“

mein erster Tauschbasar

Erst morgens, am Tag des Basars, suchte ich kurzfristig ein paar Dinge heraus, die ich abgeben wollte. Es handelte sich dabei um Sachen, die ich ohnehin schon länger aussortieren wollte, die aber definitiv nicht in die Tonne gehen sollten.

Was ich abgegeben habe:

Nachhaltigkeit praktisch: Gegenstände tauschen bei einem Tauschbasar. Was ich abgegeben habe.

  • Drei Packungen Katzenfutter einer Sorte, die mein Kater erst mochte und nun leider doch nicht verträgt.
  • Eine Teedose. Ich mag sie, aber ich habe sie zu Weihnachten noch ein zweites Mal geschenkt bekommen und brauche sie nicht doppelt. Die Quitting wurde jedoch nicht aufbewahrt und auf Ebay-Kleinanzeigen wollte sie niemand. Meine Freund*innen hatten ebenfalls kein Interesse (warum nur?) oder besitzen selbst schon etwas ähnliches.
  • Ein T-Shirt und ein Schal. Beide habe ich geschenkt bekommen. Leider stehen mir die Farben (goldbraun und hellblau) überhaupt nicht.
  • Ein paar Chucks vom Flohmarkt, das mir leider doch eine halbe Größe zu klein ist.
  • zwei ausgelesene Bücher
  • In der kleinen weißen Tüte sind Ohrringe. Es handelt sich dabei um einzelne Paare aus diesen Fünferpacks, die manchmal verkauft werden. Ich wollte eigentlich nur ein paar einfache nickelfreie Ohrstecker, doch die gab es nicht einzeln. Also musste ich noch Schmetterlinge und Schleifchen und Glitzersteine dazu kaufen, die ich nun gerne an jemanden weitergeben wollte, der/die daran mehr Freude hat.

Das alles sind an und für sich sehr schöne Sachen, nur leider bei mir nicht am richtigen Platz. Teilweise könnte man wohl noch ein paar wenige Euro damit verdienen, aber ehrlich gesagt, ist es mir manchmal ein bisschen zu viel Arbeit, einzelne Teile zu fotografieren, die Fotos zu ordnen, Anzeigen zu erstellen, mir einen Preis zu überlegen und mit Interessenten hin und her zu schreiben, die sich dann teilweise nicht mehr melden. Ich bin faul.

So lagen diese Dinge also seit einiger Zeit in meinen Schränken und ich wartete auf eine Gelegenheit, sie loszuwerden und dabei zu wissen, dass sie genutzt werden. Auf keinen Fall sollten sie in den Müll wandern.

Der Tauschbasar war für mich eine perfekte Möglichkeit.

Ich machte mich also auf den Weg ins zentral gelegene Haus 73 und wurde nicht enttäuscht. Alles war sehr gut organisiert und es war eine Menge los.

Freundliche Leute verschiedener Altersstufen brachten tütenweise Gedöns, das von den Organisator*innen sogleich geordnet und ansprechend präsentiert wurde. Leckeren Kuchen gab es übrigens auch.

Ich durchsuchte die Tische, Bücherhaufen und Kleiderständer und fand schnell einige Dinge, die mich interessierten. Letztendlich bin ich hiermit nach Hause gegangen:

Nachhaltiges konsumieren in der Praxis: Tauschbasar. Danach: Mein Haul.

Ein schwarzer Wintermantel: Nach so einem in der Art habe ich schon letzten Winter Ausschau gehalten, die Anschaffung wäre spätestens in einem halben Jahr tatsächlich notwendig geworden. Super, dass ich nun auf diesem Wege dazu gekommen bin. Der Schnitt gefällt mir richtig gut. Die Vorbesitzerin des Mantels hat noch gesehen, dass ich ihn genommen habe und sich sehr darüber gefreut.

Nachhaltiges Konsumieren in der Praxis: Bücher vom Tauschbasar lesen.

Ein Stapel Romane und Sachbücher, die mich alle sehr ansprechen.

(Nicht fotografiert: Eine Ausgabe des Missy-Magazin.)

"Es gab so viele Wörter, die erzählt sein wollten..." (Tintenherz S.551)

Zitat von Cornelia Funke in „Tintenherz“

Hervorheben muss ich bei den Büchern das Adressbuch mit Tintenherz-Zitaten. Ich liebe die Tintenwelt-Trilogie sehr und suche schon länger nach einem schönen Adressbuch – das passt wie die Faust auf’s Auge.

(Das ist übrigens kein Bildrauschen – das ist die Textur des Papiers :))

Und nun das Herzstück: Eine schwarze Tasche, die so ziemlich perfekt ist. Neu hätte ich mir sie nie gekauft, allein schon, weil ich ungern Leder kaufe.

Nachhaltiges Konsumieren in der Praxis: gebrauchte Ledertasche vom Tauschbasar benutzen.

Gebraucht allerdings freue ich mich wirklich sehr über diesen Fund. Es gibt ein paar Outfits von mir, die zu dieser Tasche perfekt passen und eine besondere Note bekommen werden. Ich mag das klassische Design, das mir eine seriösere Aura verpassen wird und habe dein Eindruck, dass die Qualität der Tasche sehr gut ist.

Kurzum: Ich bin wirklich angetan, das könnte ein neues Lieblingsteil werden.

Ledertasche vom Tauschbasar

Wieder und wieder frage ich mich: Warum gibt jemand diese tolle Tasche freiwillig weg?

Irgendwann wird mir klar, dass jemand anders vielleicht genau den gleichen Gedanken zu meinen Chucks, meiner Teedose oder den Büchern hat. Es ist sinnvoll, wenn Gegenstände zirkulieren. Es kommt oft vor, dass die Dinge ihren Nutzen für uns verlieren, aber an anderer Stelle noch sehr wertvoll sein können.

Bedürfnisse verändern sich. Es gibt keinen Grund, Dinge der Zerstörung zuzuführen, die zusätzlich Ressourcen kostet und schlussendlich immer irgendwie die Müllmenge vergrößern.

Ein Tauschbasar wird dem Gedanken gerecht, dass die meisten Dinge am richtigen Platz noch einen Sinn haben und schafft eine praktische Möglichkeit zur Nachhaltigkeit. Er hat mir geholfen, Neukäufe zu vermeiden und stattdessen das zu nutzen, was schon vorhanden ist. Dabei ist er deutlich einfacher als Ebay oder Verschenkgruppen auf Facebook.

Ich bin begeistert, weil ich das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden konnte. Die Atmosphäre war entspannt, viele Anwesenden haben sich über ihre Funde gefreut. Es war auch für mich eine bereichernde Erfahrung, zu beobachten, wie andere Leute sich über meine aussortierten Dinge freuen können.

Was auf dem Basar kein neues Zuhause findet, wird nicht weggeworfen, sondern an soziale Einrichtungen o.ä. gespendet. Also alles rundum nachhaltig.

Gerne wieder.

Fazit zum Tauschbasar

Vielleicht noch ein Wort zum Punktesystem: Es gefällt mir, dass das hier alles nicht so ernst genommen wird und die Umrechnungen nur grob ist. Es gibt ja immer einen, zwei oder drei Punkte pro Gegenstand gibt und niemals mehr: Dadurch liegt der Fokus darauf, zusammenzubringen, was zusammengehört: ungenutzte Gegenstände und Menschen, die diese Gegenstände wieder nutzen.

Mir hat die Möglichkeit gefallen, Punkte zu spenden. Ich habe nicht alle meine Punkte verbraucht und die restlichen dort gelassen, falls jemand noch Zusatztauschpunkte gebrauchen kann, um mehr mitzunehmen

Für die Zukunft würde mich interessieren, ob der Basar nicht auch ganz ohne Tauschpunkte funktioniert, indem einfach alle hinkommen und mitnehmen, was sie nicht mehr brauchen.

Wie entsorgt ihr gut erhaltene Gegenstände nachhaltig? Wie kommt ihr nachhaltig an neue Sachen? Könntet ihr mit den Dingen etwas anfangen? Mit meinen aussortierten Sachen oder mit meinem neuen Kram? Habt ihr Erfahrungen mit Tauschbasaren gemacht? Welche? Wenn nein, was hindert euch daran?

 (weil es inhaltlich passt: eingereicht zur Linkparade EiNab)


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7 Kommentare

  • Oh Glückwunsch zu den tollen Fundstücken!!!
    Ich möchte sowas auch gerne mal ausprobieren und ich glaube, es gibt auch Basare, die ohne System auskommen, aber ich frage mich auch, obs so nicht sinnvoller geregelt ist. Dadurch wählt man ja noch bewusster aus, oder?
    Jedenfalls ne tolle Sache. Meistens habe ich keine Geduld mich endlos durch Secondhandware zu wühlen (das betrifft aber eigentlich nur Klamotten), aber ich will das noch lernen.

    Ich spende meine alten Sachen immer Oxfam. Bücher stelle ich in meine vom Hausmeister ins Leben gerufene Büchertauschbörse oder stelle sie in einen Bücherschrank. Manchmal packe ich sie auch wetterfest ein und lasse sie auf ner Parkbank liegen.

  • Simsalabim sagt:

    Ja, ich glaube, typische Second Hand/Flohmarkt-Skills zum geduldigen Haufen durchwühlen sind tatsächlich eine Fähigkeit, die man sich aneignen muss. 😀 Bin da auch noch am Üben.

    Ich bin unsicher mit den Punkten. Ich selbst wähle so oder so bewusst aus. Ob andere Leute das auch tun, kann ich gar nicht so Recht einschätzen. Wäre mal ein interessantes Experiment, beides direkt zu vergleichen. :)

    Cooler Hausmeister, der so etwas einrichtet. Das hätte ich auch gern.)

    (Der Basar von fairmondo in der Schanze findet übrigens wohl öfter mal statt. Die Termine stehen dann immer online. Do it und guck dir das erwartungslos an oder so. :))

  • Zwergenmama sagt:

    Hallo. Schön, dass du so erfolgreich warst! Und danke fürs verlinken bei unserer Blogparade! Viele Grüße von der Zwergenmama

  • Hallo!

    Vielen Dank fürs Verlinken zu unserer Linkparty „EiNaB“ – ich bin auch ein Fan vom Tauschmarkt, den es bei uns in der Gegend 2 x pro Jahr (zum Saisonwechsel) gibt.

    Außerdem gibt es einen Kostnixladen, den nutze ich auch um Dinge weiterzugeben, die ich nicht mehr brauche.

    Schon sehr lange kaufe ich nichts Neues mehr für mich sondern versuche über den Gebrauchtmarkt das zu bekommen, was ich brauche.

    Super Sache finde ich!

    lg
    Maria

    • Simsalabim sagt:

      Das habe ich sehr gerne verlinkt, denn Vernetzungsaktionen finde ich immer gut. :)

      Bei mir in der Nachbarschaft gibt es einen Tauschtisch, ist wohl ähnlich wie ein Umsonstladen. Wirklich eine super Sache, ich hoffe, dass sich das noch mehr durchsetzt!

  • Marlene sagt:

    Da hast du ja einen „guten Fang“ gemacht – um weitere lustige Shopping-Redewendungen anzubringen.
    Vielen Dank fürs Mitmachen bei EiNab!
    Liebe Grüße,
    Marlene

    • Simsalabim sagt:

      Die ist mir beim Schreiben gar nicht eingefallen, aber du hast Recht, auch diese Ausdrucksweise ist irgendwie lustig.
      Verlinkt habe ich sehr gerne.

      Liebe Grüße,
      Sabrina.

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