Gekreuzte Pfade (2): Auf einer brennenden Barrikade sterben.

Manchmal führt der Zufall Menschen in mein Leben. Im nächsten Moment sind diese Menschen schon wieder ganz woanders, doch sie lassen eine Erinnerung zurück. Eine neue Sicht auf die Welt, die meine eigene Perspektive ein kleines Stückchen verschiebt und bereichert.

Diese Begegnungen möchte ich gerne festhalten, ab und zu an die Weggabelung zurückkehren, an der wir uns kurz zugewunken haben. Deswegen gibt es unter der Überschrift Gekreuzte Pfade Berichte von ebendiesen Begegnungen.

(Hier geht es zum ersten Bericht dieser Art: Ein Abend bei Malzbier und Reis.)

gekreuzte Pfade - orange Wand mit Plakaten

„Ich habe immer gesagt:
wenn ich sterbe, dann sterbe ich auf einer brennenden Barrikade
für die Revolution
wenn ich sterbe, dann sterbe ich, während ich Sex habe
auf einer brennenden Barrikade
falls ich mal sterben muss.

Ich war in der und der Stadt an der und der Uni.
Die Leute dort waren komisch.
Die ganze Zeit dachte ich:
Warum möchten die denn nichts gegen den Kapitalismus machen?
Ich habe sie nicht verstanden.
Du musst gar nichts.
Du musst das nicht mitmachen.
Du kannst immer aussteigen.
Meine Abbrecherei hat alle meine Beziehungen zerstört.

Nächste Woche werde ich nicht zur Arbeit gehen, ich werde krank sein.

Ich bin süchtig nach Salz.“

Obwohl wir uns gar nicht kennen, hast du irgendwie den Weg in mein Wohnzimmer gefunden und mit dem Satz über die Barrikaden auch mein ängstliches Herz erobert.

Ich beneide dich um deine Sicherheit, das Richtige zu tun. Ich will zurück in die Zeit, in der ich noch wusste, was richtig und was falsch ist und keine Angst vor Fehlern hatte. Wie war es damals, als das Leben passierte, einfach so?

Ein weißes Laken suche ich aus dem Schrank und breite es über die Matratze, auf der du in dieser Nacht zur Ruhe kommen kannst. Ich suche dir die wärmste Decke heraus, die es in diesem Haushalt gibt und frage dich, was du Morgen zum Frühstück essen möchtest. Kaffee? Mit Milch?

Alles was du gerade brauchst, ist jemand, der dir dein Kissen aufschüttelt und Kaffee ans Bett bringt, sich um dich sorgt. Für heute bin ich deine Mutter.

Nein, es macht mir wirklich überhaupt nichts aus, kurzfristig Gäste zu haben. Schlaf gut.

Wir sehen uns vielleicht irgendwann mal wieder. Auf einer Party, oder so.

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