Die Affen, die Menschenrechte erhielten.
Schimpanse mit Sellerie, der Menschenrechte hat?

Für ihn: Sellerie und Menschenrechte? (Bild: Bernie 78iger auf Flickr. von mir bearbeitet. CC 2.0.)

Tierisch? Menschlich? Personen?

In den Linktipps zum Thema „wie wir mit Tieren umgehen hatte ich bereits einen Artikel verlinkt, der davon berichtet, wie zwei Affen Menschenrechte zugesprochen wurden.

Wie jetzt? Menschenrechte für zwei Tiere?! Hä. Das kann doch gar nicht sein, oder?

Gucken wir uns diesen Fall doch mal etwas genauer an: Was ist da eigentlich passiert und was bedeutet das für die Tiere in unserer (menschlichen) Gesellschaft?

die Ausgangslage: Tierrechtsorganisation will Affen befreien

Im Zentrum des Geschehens stehen die beiden Schimpansen Hercules und Leo, die auf dem Gelände einer New Yorker Universität leben. Ihr Leben besteht darin, als Versuchsobjekt der Forschung zu dienen. Dazu kommen zwei weitere Schimpansen, die auf Privatgelände leben.

Eine amerikanische Tierrechtsorganisation durchläuft seit 2013 mit ihrer Klage verschiedene Instanzen. Ziel der Nonhuman Rights Organization (NRO) ist es, den Affen ein anderes Leben an einem schöneren Ort zu ermöglichen.

sind sie Eigentum oder doch Personen?

Die NRO vertritt die Ansicht, dass die Schimpansen Personen sind und als solche Rechte genießen sollten. Ein fundamentales Recht einer Person ist es, nicht willkürlich verhaftet zu werden.

Die Universität, die die Affen für ihre Forschung benutzt, argumentiert mit ihren Eigentumsrechten: Die Affen gehören der Universität. Über den Aufenthaltsort der Schimpansen zu verfügen und sie aus der Universität zu holen, wäre Diebstahl.

Kann ein fühlendes Lebewesen jemandem gehören? Was ist wichtiger: das Recht auf Eigentum oder das Wohlergehen eines Tieres?

Wären Hercules und Leo Menschen, dann wäre der Fall klar: Es gibt kein Eigentumsrecht auf Menschen und natürlich darf niemand einfach so in einer Universität gefangen gehalten werden, um mit ihm oder ihr Experimente durchzuführen. Welch grausame, gefühllose Vorstellung! Ginge es hier um Menschen, wäre der Fall so wahrscheinlich niemals eingetreten.

Ganz anders jedoch verhält es sicher, wenn Tiere im Spiel sind.

Gesetzlich hat ein Tier keine Rechte, deswegen gibt es wenig Grundlage dazu, seine Gefangennahme zu verurteilen. Denn der entsprechende Paragraph, der Personen vor willkürlichen Verhaftungen schützen soll, (,,habeas corpus“) ist einer, der für Menschen gilt.

Bisher…

habeas corpus – auch als Schimpanse

Ein Gericht ordnete eine Verhandlung an, um zu klären, ob die Personenrechte der Schimpansen verletzt wurden und ob hier habeas corpus greift.

Das gab es so noch nie. Sensationell!

Tiere mit dem entsprechenden Paragraphen zu schützen und ihnen so einen personenartigen Status zu verleihen, würde einen Paradigmenwechsel bedeuten.

Einige Stunden später hat die betreffende Richterin ihre Aussage jedoch zurückgezogen und entscheidend verändert. Im neuen Dokument ist keine Rede mehr vom entsprechenden Status der Affen als Personen, die vom habeas corpus-Paragraph geschützt sind.

Es handelte sich um einen Fehler.

 der Kampf um Tierrechte geht weiter

Also alle Aufregung umsonst? Alles nur heiße Luft?

Zwar handelte es sich hier um eine Ente, doch sie wirft ein Schlaglicht auf eine Diskussion, die im Zeitalter von Veganismus und brutaler industrieller Landwirtschaft zusehends an Aktualität gewinnt: Die Frage, warum genau es eigentlich vertretbar sein sollte, wie wir als Menschheit mit anderen Lebewesen umgehen.

Forscher*innen fordern seit einiger Zeit Menschenrechte für Menschenaffen. Bisher weigern die Gerichte sich, Großaffen irgendeine Form von Rechten zuzusprechen und ignorieren damit hartnäckig wissenschaftliche Erkenntnisse. Zuletzt wurde 2010 eine Klage vor dem europäischen Gerichtshof abgewiesen. Auch hier ging es um einen Schimpansen.

In Deutschland setzen sich Tierschutz und Tierrechtsorganisationen dafür ein, ein Klagerecht zu erhalten, um besser gegen Tierschutzverstöße vorgehen zu können. Als sechstes Bundesland führte zuletzt Schleswig-Holstein das Klagerecht für Verbände ein. Organisationen forcieren nun ein Klagerecht auf Bundesebene. Ein umfassendes Klagerecht wäre ein mächtiges Werkzeug, auf rechtlichem Wege gegen das Tierleid vorzugehen.

Denn während in diesem Moment Familien ihre Hunde wie Kinder behandeln, eine Facebookseite für ihren Wellensittich einrichten und um ihre verstorbene Katze trauern, sind diese fühlenden Wesen nach wie rechtlos dem guten Willen ihrer Halter*innen aufgeliefert. Wenn sie Glück haben, werden sie gefüttert, medizinisch versorgt und dürfen artgerecht leben. Wenn sie Pech haben und ihnen ein nicht so wohlmeinender oder einfach gleichgültiger Mensch als Halter*in zugestoßen ist – passiert meistens auch nichts weiter.

Aus meiner Sicht ist dies ein unhaltbarer Zustand.

Was sind eure Gedanken? Habt ihr von dem Fall gehört? Könnt ihr es Natürlich ist ein Affe kein Mensch, aber kann er eine Person sein? Wie lässt sich die Situation von Tieren verbessern? Sind Rechte das richtige Mittel dafür?


Mehr zum Thema Mensch-Tier-Verhältnis findest du im entsprechenden Sammelpost (hier.)


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