Szenen aus einem Leben ohne Smartphone.
altes grünes Telefon mit Wählscheibe

Bild: Esparta Palma auf Flickr. von mir bearbeitet. CC 2.0.

I

Orientierungslos laufe ich nochmals auf die andere Seite der Bahnstation, die so ganz anders aussieht als vor einer Stunde auf Google Maps. Ich werde unruhig, in ein paar Minuten beginnt mein Vorstellungsgespräch, doch ich habe noch nicht mal die Straße gefunden, zu der ich muss. Mein Herz klopft. Auf gar keinen Fall will ich zu spät kommen. So schwer kann das doch nicht sein! Wirklich einfach schien mir der Weg: Vier Minuten zu Fuß, einfach zwei Mal links abbiegen. Auf einem Schmierzettel trage ich die Zeichnung bei mir.

Ich habe zwar fast eine halbe Stunde Reservezeit eingeplant, aber irgendwie scheint das nicht genug zu sein. Wo ist denn nun der richtige Ausgang?

Ist es mein nur mäßig ausgeprägter Orientierungssinn oder ist die Karte einfach falsch und ungenau? GPS wäre gerade praktisch, so oder so.

II

Drei verschiedene Passanten erklären mir den Weg, sodass ich dann doch noch halbwegs pünktlich komme, vielleicht zwei oder drei Minuten nach der vereinbarten Zeit, wofür ich mich schäme.

Gerade will ich ansetzen und erklären, meine Entschuldigung vorbringen, den schlechten Eindruck irgendwie wieder wettmachen, doch:

Frau Sabrina, haben Sie unsere Mail nicht gesehen?
Welche Mail? Die von vorgestern?
Nein, die von heute um 06:35. Da hatte ich Sie gefragt, ob Sie heute früh eine Stunde später kommen können.

Nein, die Mail habe ich nicht gelesen. Um 07:00 habe ich das Haus verlassen. Zwischen 06:00 und 07:00 habe ich wahrlich wichtigeres zu tun, als meine Mails zu checken. Snoozen zum Beispiel, im Halbschlaf auf diesen verfänglichen Knopf drücken, der mir noch weitere drei Minuten Halbschlaf bescheren kann. Und natürlich musste ich meinen Anfahrtsweg recherchieren. Und vor 06:00 habe ich etwas noch wichtigeres zu tun: Meinen Kopf in die Kissen drücken und dabei träumen.

Die Idee, das nicht jeder Mensch morgens zwischen Dusche und Toaster noch kurz die Mailapp öffnet, scheint hier niemand zu haben. Ist ja auch irgendwie absurd.

III

Samstag, Regen. Wo bleiben meine Freundinnen nur? Ich freue mich auf das Treffen, weil ich sie nur selten sehe. Momentan allerdings stehe ich frierend an einer Bushaltestelle und warte. Langsam verliere ich das Gefühl in den Füßen. Mein Buch habe ich schon vor einer Weile durchgelesen. Ich warte weiter, während der Regen sich in Eisregen verwandelt und kalt in mein Gesicht peitscht. Nach zwanzig Minuten höre ich mit den Sms auf und rufe an.

Oh Nein. Wir haben es vor einer Stunde über die Facebookgruppe abgesagt, weil es so regnet. Ganz vergessen, dass du das ja nicht sehen konntest. Sonst hätte ich dir eine Sms geschrieben. Kommt nicht wieder vor.“

IV

Wenn du nur Whatsapp hättest.„, sagt mein Vater, „Wenn du Whatsapp hättest, könnten wir viel besser zu dir Kontakt halten.

Mein! Vater!
Bin ich altmodisch?
Wird mir jemals wieder jemand glauben, dass ich mit 14 html gelernt habe und auch sonst ziemlich gerne im Internet bin?

V

Weil der Eisregen so gefährlich ist, dauert es ungefähr eine Stunde, bis mein Bus kommt. Beim Warten unter dem Haltestellendach lerne ich einen Immigranten kennen, der gerade vom Amt kommt und erst seit ein paar Tagen in Deutschland ist. So langsam füge sich alles, er hätte jetzt auch eine Krankenversicherung.

Er erzählt mir seine Lebensgeschichte.

Toll, wie du zuhören kannst. So ruhig und entspannt.“

Hätte ich diese Begegnung gehabt, wenn ich Candy Crush gespielt hätte?

IV

Mein Fahrrad mag ich lieber als meine Bahnverbindung, doch manchmal bin ich einfach zu faul. Wenn mir jemand gegenübersitzt, weiß ich nie, wohin ich mit meinen Blicken soll. Wenn ich geradeaus gucke, denkt der Mensch vor mir, ich starre ihn an und könnte sich beobachtet fühlen. Wenn ich weg gucke, ist das sehr krampfig. Wenn ich aus dem Fenster schaue, ist da nur die hässliche Wand des U-Bahntunnels.

Manchmal täusche ich einen Sekundenschlaf vor und schließe die Augen.

Manchmal tue ich so, als würde mich die Werbung für den Studiengang Coffee Management Teilzeit an einer Privatuniversität interessieren. Oder die medizinische Studie für die „Frauen über 40 mit mittelstarkem Asthma“ geeignet sind, für die es eine angemessene Aufwandsentschädigung gibt.

Ich habe mir das so oft durchgelesen, dass ich es auswendig kann.

Die Frau neben mir scrollt durch ihren Facebookfeed und betrachtet des Bild eines geschminkten blonden Mädchens. Ich habe es perfektioniert, unauffällig aus dem Augenwinkel heraus auf die Displays meiner Sitznachbarn zu schielen. Wichtig ist es, den Hals nicht mitzudrehen. Das wäre zu auffällig.

Ziemlich langweiliges Zeug machen die meisten Leute auf ihren Handies: Schlecht designte Spiele spielen und facebooken. Vor allem facebooken.

warum ich kein Smartphone habe

Dafür, dass ich mir all diese Strapazen antue, Gespräche mit Menschen, herumirren und warten, dafür gibt es keinen besonderen Grund. Es spart mir etwa zehn Euro im Monat. Davon kann ich drei Mal Falafel essen gehen. Ist es das nicht wert?

Ich bin ziemlich onlineaffin. So wie ich mich kenne, wäre ich viel zu oft mit dem Handy online, auch in Situationen, in denen das uncool ist.

Jede nervige Situation bringt mich ein wenig dichter an den Punkt, mir endlich mobiles Internet zu besorgen.  Eines Tages wird der Tropfen kommen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Ich tippe auf Anfang 2016. Mal sehen.

Nachtrag am 24.01.2016: Ich habe jetzt ein Smartphone und hier ist der Text dazu: Szenen aus einem Leben mit Smartphone.

Und, hält da draußen noch jemand unbeugsam am alten Nokia fest? Was ist der Grund, dass ihr ein Smartphone habt? (Außer, dass es praktisch ist. :)) Was ist der Grund dafür, dass ihr keins besitzt?

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12 Kommentare

  • Hallo Sabrina,

    zuallerst ein Kompliment für deinen schönen Text. Ich habe seit zwei (oder drei?) Jahren ein Smartphone, versuche jedoch es so bewusst wie möglich zu verwenden. Interessanterweise lasse ich es z.B. unterwegs zu 99% in der Tasche. Ausnahmen: Ich suche den Weg (ich mach immer ein Foto von der Karte, damit ich auch ohne Verbindung den Weg finden kann) oder schaue eine alternative Verbindung für den Bus nach. Ansonsten finde ich es nämlich schön, meine Umwelt aktiv wahrzunehmen und mich nicht von anderen Dingen ablenken zu lassen. Fairerweise muss ich aber zugeben, dass ich selten alleine unterwegs bin und mich daher häufig mit Mitfahrenden unterhalten kann. Wenn ich Pendlerin/Vielfahrerin wäre, würde das vielleicht anders aussehen.

    Liebe Grüße, Svenja

    • Sabrina sagt:

      Danke! :)

      Bewusst benutzen ist wohl mal wieder das Stichwort. Wie bei den meisten anderen Dingen halte ich das tatsächlich für die Lösung. Es zu 99% nicht zu benutzen ist wahrscheinlich äußerst bewusst. Bewundernswert, dass du das so gut kontrollieren kannst. Ich hätte da wohl immer den Impuls, doch noch mal kurz ein durch diverse Timelines zu scrollen…

      Denke auch, je mehr man reist, desto sinnvoller ist Internet für unterwegs. Ich fahre ab und zu weite Zugstrecken, z.B. im ICE von Hamburg nach Köln o.ä. (Bekomme vergünstigte Karten.) Da haben mich total oft fremde Passagiere angesprochen und teilweise stundenlang erzählt, das passiert also auch ohne Freunde im Gepäck. (die redseligen Kölner halt ^^)

      Das kann aber eben auch nervig sein, manchmal will ich auch schlafen. Wie wimmelt man die Leute da höflich ab? Einfach auf’s Smartphone starren wäre wohl die einfachste Lösung 😉

  • Ja ich find auch, der Text ist super.Geärgert habe ich mich auch. Denn auch mit Smartphone kommen solche Situationen vor. Ich glaube, das ständige appen oder kurz mal durchklingeln, verführt einfach alle dazu unpünktlich zu sein. Früher war ich immer pünktlich und musste teilweise 20-30 Min. warten. Jetzt habe ich mich zu Unpünktlichkeit erzogen (komme 10-15 Min später und bin entweder rechtzeitig oder muss trotzdem noch warten, das nervt tierisch, vor allem wenn es kalt ist.). Auch geil ist, dass nichts mehr richtig verabredet wird. Für mich ist ein Termin fix. Da muss nix mehr geklärt werden, ich muss da nicht mehr 5 Stunden vorher nachfragen – und trotzdem irriert das alle, dass das so „fest“ ist. Ja verdammt, warum denn auch nicht?! deshalb verabredet man sich doch!!!?
    Deine Beobachtung stimmt! Morgens wird auf spiegelonline gelesen oder per messenger app geschrieben. Die harten Tussen (m und w) machen auch in Bus und Bahn ihre Selfies und abends spielen sie alle ihre Bauernhof-Spiele. Geil. Auch schön: tipp-tipp-tipp – Handy in die Tasche – 30 Sek. später – Handy raus – tipptippptippp – Handy in die Tasche – 30 Sek. später – Handy raus – usw.
    Neeervig.

    Trotzdem: ich bin smartphone User und das auch gerne. Allerdings halte ich das auch wie Svenja, nämlich sehr bewusst. Schnell mal Mails checken, sich verabreden oder soziale Netzwerke checken ist mir unterwegs dann doch lieber, als abends oder am Wochenende noch lange vorm Rechner zu hocken. Da will ich lesen und mit Herrn DingDong abhängen. Seit ich eine messenger App benutze, habe ich wieder viel mehr Kontakt zu meinen Freunden und ich bin nicht mehr die Letzte, die irgendwas erfährt, das find ich gut.
    Wenn es mal brummt, weil eine Nachricht eingetrudelt ist, dann kann ich es auch liegen lassen.

    Seit ca. 1 Woche ist wg. irgendeiner Vertragsgeschichte meine SIM-Karte gesperrt und bin deshalb telefonisch nicht erreichbar. Das halte ich durch und ist überhaupt kein Problem.

    Extrem positiv an der ganzen Smartphone-Sache finde ich zwei Sachen:
    1) es wird nicht mehr so viel in Bus und Bahn telefoniert
    2) ich hab was in der Hand wo ich hingucken kann und kann deshalb auch alleine ins Cafe ohne wirklich allein zu sein. Das hilft mir als introvertierte Person in fremder Umgebung enorm, weil es mir meine Unsicherheit nimmt.

    Das was mir an der Smartphone-Sache den Spaß ein bisschen verdirbt, ist der Konsumaspekt, der dahinter steht. Ich kaufe mir erst einen kleinen Rechner, der auch telefonieren kann (wer telefoniert schon mit nem Smartphone?!) und dann bestücke ich es mit Apps (die man auch kaufen kann/muss) und dann ist man fest verbunden im Dauerinformationsstrom und bekommt auch (bei den falschen Apps) permanent Werbung angezeigt. Vom Datenschutz will ich gar nicht erst anfangen. Das finde ich zwar blöd, aber ich habe gelernt es zu ignorieren. Und ein Super-User bin ich auch nicht.

    Mein Tipp: Frag mal im Freundeskreis rum, ob irgendjemand ein altes Smartphone aussortiert und teste das mal. Dann kannst du ja herausfinden, ob das was für dich ist.
    Ich habe das auch so gemacht und habe durch diese Testphase viel gelernt.

    • Sabrina sagt:

      Hi,

      oh, ich hab die Selfiefotografen im Text vergessen! 😀

      Sich zur Unpünklichkeit zu erziehen ist irgendwie absurd, doch ich weiß sehr gut, was du meinst. Wenn ich um zur vereinbarten Zeit da bin, ist die Person oft noch gar nicht da. Ich komme trotzdem immer pünktlich, weil ich denk: Wenn ich die Verspätung mache und die andere Person die dann wiederum miteinberechnet, dann kommt sie ja nächstes Mal noch später, weswegen ich dann ebenfalls noch später kommen müsste. So entsteht theoretisch eine fatale Spirale des immer-später-Kommens. ^^

      Das mit dem Hingucken im Café ist für mich total nachvollziehbar, ich nehm mir da oft ein Buch mit. (Ansonsten: Oh, die Maserung des Tischholzes ist aber interessant.) Ich wollte Smartphones auch nie in dem Sinne schlecht reden oder verteufeln, ich sehe total die positive Seite daran. Wenn es Menschen hilft, ist es gut und es gibt wohl eine Menge Situationen, die dadurch erleichtert werden und, wenn sich Wegzeit dadurch sinnvoll nutzen lässt, ist das zB auch ne super Sache. :)

  • Philipp sagt:

    Hallo Sabrina,

    dein Beitrag gefällt mir sehr gut!

    Ich selbst besitze auch kein Smartphone, was verschiedene Gründe hat:

    1. Ich nutze Facebook, Twitter, Instagram, WhatsApp etc nicht und würde es auch nicht tun, wenn ich ein Smartphone hätte. Damit erschließt sich der Sinn für mich nicht so recht.
    2. Ich möchte nicht permanent verbunden und auf allen Kanälen erreichbar sein.
    3. Ein Smartphone ist in meinen Augen eine recht teure Angelegenheit. Nun passiert es gelegentlich, dass ein Telefon herunterfällt. Allerdings sind Smartphones nicht wirklich robust.
    4. Ebenfalls teuer wirkt sich ein Smartphone auf mein Zeitkonto aus. Darüber hatte ich schon mal auf meinem Blog geschrieben. (http://woistphilipp.de/weniger-ist-mehr-leben/1-grund-weshalb-es-nutzlicher-ist-kein-smartphone-zu-haben)
    5. Akkus in Smartphones halten nicht sehr lang.
    6. Gefühlt ist der Lebenszyklus eines Smartphones sehr kurz (sowohl von technischer als auch psychologischer Seite).
    7. „Dar papaya“ (Die Papaya hinhalten.) – Ein Smartphone ist Luxus der neugierige Blicke von potentiellen Dieben auf sich zieht. Das muss man ja nicht noch provozieren.

    Ich kann das Gefühl, des Tropfens, der das Fass zum Überlaufen bringt auch sehr gut verstehen. Das liegt aber eigentlich hauptsächlich an einem einzigen Punkt: Design.

    Ich finde mein jetziges Handy furchtbar designt. Und nach allem, was meine Recherche ergeben hat, gibt es im Featurephone-Segment auch nichts, das mich glücklich machen würde. Ein Wechsel würde mir also nichts nützen.

    Im Smartphone-Segment gibt es seitens des Designs Lösungen für mich, allerdings sprechen die oben genannten sieben Punkte dagegen.

    Und dann stelle ich fest, dass ich am liebsten gar kein Handy, doch das gestaltet sich berufstechnisch schwierig.

    Also bleibt wohl erstmal alles, wie es ist.

    Alles Liebe,
    Philipp

    • Sabrina sagt:

      Hi,

      ja, die Sache mit dem Geld stört mich auch sehr an Smartphones. Mein letztes Handy ist mir ins Wasser gefallen und funktionierte dann nicht mehr. So etwas passiert einfach. Es hätte mich sehr darüber aufgeregt, ein hunderte Euro teures Teil zu verlieren. Und tatsächlich kenne ich mehrere Leute, denen das Handy geklaut wurde, alles ziemlich ärgerlich, wenn da viel Geld für ausgegeben wurde. Bei einem alten Knochen holt man sich halt einfach das nächste Uralthandy (irgendwer hat immer eins herumliegen…) und weiter geht’s. Verlorene Smartphones sind immer gleich eine kleine Katastrophe.

      Alltagsgegenstände, die gleichzeitig auch Wertgegenstände sind, machen den Alltag immer so unentspannt. :)

      Bei deinen Überlegungen zu Zeit könnte ich auch ungefähr mitgehen. Außer natürlich, ich könnte ein Smartphone so nutzen, dass die Zeit, die ich investieren muss, um es mir anschaffen zu können, durch allgemeine Lebenserleichterung wieder anderswo eingespart wird. Ob das so wäre, weiß ich nicht. Ist eine interessante Frage, gibt halt schon auch ein paar coole Apps. :)

      • Philipp sagt:

        Also, wenn es dir um coole Apps geht, tut es unter Umständen auch so manches Featurephone. Die haben mittlerweile auch Apps, die du selbst installieren und wieder deinstallieren kannst, warten aber mit längeren Akkulaufzeiten auf und kosten wesentlich weniger. Ich kann mir aber vorstellen, dass die Apps nicht ganz so flüssig zu bedienen sind, denn man ist nach wie vor auf die Handytastatur beschränkt.

  • katharine sagt:

    Der grund warum ich keins habe? Ganz einfach ich brauche es nicht. Mir wuerde es genau so gehen wie dir, ich wurde nur rumdaddeln. Kein bock. Mir reicht es schon zuzuschauen was um mich herum passiert, nur leute die mit gesenktem kopf irgenwo rumsitzen und nicht von dem mitkriegen was um sie herum passiert. Man fühlt sich manchmal etwas out, weil man halt keins hat, aber ich muss es nicht haben in zu sein.

  • Fy sagt:

    Ich habe ungefähr ein Jahr lang ein Smartphone benutzt (habe ich gebraucht und generalüberholt gekauft, ein neues wäre mir persönlich zu teuer) und bin jetzt wieder auf mein älteres Sliderhandy umgestiegen. In letzter Zeit ist es immer wieder vorgekommen, dass das Smartphone rumgesponnen hat, der Touchscreen nicht richtig funktionieren wollte, ich keine Anrufe annehmen konnte usw. Anstatt mir ein neues zu holen, habe ich lieber wieder mein altes „doofes“ Handy aus dem Schrank gekruschtelt. Ganz ehrlich: Eigentlich habe ich nur einen Vorwand gesucht, wieder mein altes Handy zu benutzen. Das Smartphone war praktisch, keine Frage, vor allem für mich als Orientierungvollpfosten. Aber eigentlich brauche ich diese ganzen Funktionen nicht.

  • Hm. Ich bin 27, technikaffin (und technikkritisch) und habe trotzdem noch nie ein Smartphone besessen. Ich hab ein Tablet und ein Tastenhandy und finde diese Kombination für mich viel sinnvoller. Das Tablet hab ich nur bei Bedarf mit, und Bedarf gibts selten (ist eher mein digitaler Papers/Skripten-Stapel), hab auch kein mobiles Internet drauf. Bin aber softwaremäßig von dem Ding eher enttäuscht, weil Apple zwar vielleicht gut verarbeitet ist, aber dann die Obsoleszenz eben softwaremäßig regelt.
    Was du beschreibst kenn ich nicht von mir oder aus meinem engen Umfeld. Das mit der Orientierung find ich… seltsam. Besorg dir doch ein kleines Stadtplanbüchlein, ich hab auch so eins. Ich schau auch immer vorher nach, wie ich wohin komm, nutze dafür auch sehr gerne entweder den Radroutenplaner von anachb.at (sowas gibts für deine Stadt vielleicht auch) oder den Routenplaner von den Wiener Linien – für wichtige Termine nehm ich immer die Öffis. Ich hab ehrlich gesagt noch NIE gedacht, mei, ein GPS wär jetzt fein. Meine Eltern nutzen sowas im Auto im Ausland. Das ist sicher nicht schlecht. Aber zu Fuß in meiner Heimatstadt, wo ich überall wen fragen kann? Wo bei jeder Bushaltestelle ein kleiner Umgebunsgplan hängt?
    Ich bin vielleicht davon verwöhnt, dass fast niemand hier ernsthaft Facebook nutzt. Aber andererseits, wir nehmen alle penibel Rücksicht auf alle Lebensmittelsachen von unseren Freunden und Bekannten, alle Ethiken, alle Allergien, alle Geschmäcker. Aber beim Terminausmachen ist es plötzlich nicht möglich, an die eine ohne Facebook zu denken?
    Und in der Ubahn… les ich was, hör Musik (und starr dabei nur vor mich hin), denke nach (und starr dabei vor mich hin) – oder ja, schaue mir die Leute an. Das tun eh alle. Außer dem Gegenüber gibts ja auch noch die Leute auf anderen Sitzen, bei den Haltestangen, beim Kinderwagenplatz. Was ist denn daran so komisch? Du musst ihnen ja nicht ins Gesicht schauen. Die haben ja auch Sachen an, die man betrachten kann und Zeitungsrückseiten halten sie einem entgegen oder man stellt Feldstudien über Schuhwerk an. Ich finde es viel normaler, so in der Straßenbahn zu sitzen. Es ist so komisch dass alle immer nur auf ihre Smartphones schauen.
    Also, ich will dir nicht deine Empfindungen schlecht machen. Aber ich finde manche Sachen, die ja so viele Smartphone-Pausierer berichten, einfach extrem seltsam. Das mit der Orientierung. Das mit dem nicht wissen wohin man schauen soll. Das mit dem Termine ausmachen. Vielleicht würde ich es verstehen, wenn ich auch mal kurze Zeit ein Smartphone gehabt hätte. Aber mein Freund hat eins, und dem gehts auch nicht so, der fände sich in der Welt mit einem Tastenhandy auch zurecht. Ja, keine Ahnung. Vielleicht mit dem Mist erst gar nicht anfangen 😀

  • AlexWLP7 sagt:

    Mir geht es anders herum. Ich überlege mein Smartphone in die Schublade zu legen und nicht mehr zu benutzen, auch wenn ich in der IT-Branche tätig bin. Die ständige Erreichbarkeit nervt gewaltig und das ganze gleich mit zwei dieser Teile. Das einzige was ich an meinem privaten Smartphone mag ist die Kamera. Auch wenn die keinen optischen Zoom hat, ist die für Schnappschüsse toll und möchte da auch nicht drauf verzichten. Es sind so viele Bilder entstanden die schöne Erinnerung wecken. Alternativ die kleine Kamera in der Tasche zu haben. Ich weiß nicht.
    Facebook ist um Langeweile zu überbrücken ganz nett, aber muss ich ständig online sein? Brauche ich überhaupt eine Googleability? Ich telefoniere inzwischen viel lieber. Man kann über das Geschreibsel so viel falsch verstehen. Auch wenn es praktisch sein kann. Für mich geht mehr und mehr der Weg weg vom Smartphone. iMessages, das was wir beruflich viel nutzen, kann ich auch auf anderen Geräten empfangen, dafür brauche ich kein privates Smartphone. Ich vermisse die Einfachheit meines Samsung Sliders. Die meisten Apps nutze ich doch ehh nicht.

  • Angie sagt:

    Hallo!
    Ich habe auch ein smartphone, aber ohne Internet. Ich hatte ca. 2 Jahre lang einen Vertrag und war zuhause per W-Lan online, aber mir hat es geschadet – ich habe ständig auf das Ding geguckt und es z.B. niht mitbekommen, wenn meine Kinder sich auf dem Spielplatz verletzen.
    Dann kam es noch mehreren Missverständnissen in einem SMS-Dialog mit meiner Schwägerin und dann hat es mir gereicht. Ich bin wieder bei prepaid, habe W-Lan und SMS-Funktion deaktiviert und es geht mir hervorragend. Das Gemotze der anderen ignoriere ich. Ich habe das Handy meist dabei und bin telefonisch erreichbar. Reicht.

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