Der verhaltensauffällige Problemwolf – kommentierter Pressespiegel.
heulender Wolf

Orginalbild: auf Flickr. CC 2.0.

Es gibt neue Entwicklungen bei der Berichterstattung rund um Wölfe. In Mölln im südlichen Schleswig-Holstein wurde ein Wolf gesichtet, der sich, nun ja, abweichend verhalten hat.

(Meine anderen Beobachtungen zu Wölfen in (Nord-)Deutschland finden sich hier und hier.)

Die Lübecker Nachrichten und die SHZ berichten übereinstimmend, dass das Tier mehrere Schafe verletzt hat. Anschließend musst er von mehreren Leuten vertrieben werden, die sich ihm relativ dicht nähern konnten. In der Regel sind Wölfe eher scheu, dieses Verhalten ist untypisch. Es gibt verschiedene Erklärungen dafür. Der Wolf könnte aus einem Gehege ausgebrochen sein, er könnte aber auch eine Krankheit haben. Es wurde eine Ausnahmegenehmigung zum Abschuss erteilt.

Das Wolfsinformationszentrum, welches in der Folge viele Anrufe erhalten hat ,,eine hohe Akzeptanz für den Wolf“ beobachtet.

Lübecker Nachrichten: Wolf greift Schafe an
Kieler Nachrichten – Bürger wollen Wolf leben lassen
SHZ: Wolf greift Schafe an

So viel zur Frage, was genau passiert ist.

Gefährdungsszenarien jetzt auch bei der Welt

Die Welt lässt sich nicht lumpen und bringt ein Dossier über Wölfe heraus. Hier der Meinungsartikel:

,,Der Wolf reißt Schafe, aber Menschen mag er – noch

Wölfe sind nicht nur zurück in deutschen Landen, sie haben auch ihre Furcht verloren. Jetzt reißen sie am helllichten Tag Schafe und lassen sich dabei nicht einmal mehr von den Menschen vertreiben.“

Was danach folgt ist, entgegen der angstmachenden Überschrift, in weiten Teilen richtig differenziert und informativ. Auch für mich sind ein paar neue Infos dabei. In der Struktur erinnert mich der Artikel ein wenig an meinen eigenen, ein bisschen Geschichte und Kommentare zur Berichterstattung und die Überlegung, dass ein Wolf eben Wildheit verkörpert. (Sicher nur Zufall, oder?)

Am interessantesten sind die Hinweise auf Wolfssichtungen in Niedersachsen. Einmal haben Wölfe eine Joggerin eingeschüchtert. (Mir fehlt eine Quellenangabe dazu.) Stellt sich die Frage, ob tatsächlich eine Gefahr bestand oder die Frau nur Angst hatte. Ich glaube aber, ich hätte mich auch fürchterlich erschrocken und ziemlich viel Angst gehabt. Als Laie ist es ja kaum möglich, eine derartige Situation richtig einzuschätzen und die Angst absolut verständlich.

Ein anderes Mal ist ein Wolf in Hannover in der Nähe eines Waldkindergartens gesehen worden. Wohlgemerkt: Nachts! Seitdem hat der Kindergarten einen Elektrozaun.

Und noch ein anderes Mal hat eine läufige Schäferhündin die Aufmerksamkeit eines Wolfs auf sich gezogen.

Wie sollte man mit solchen Vorkommnissen umgehen?

Ist der Problemwolf eine Ausnahme oder die neue Regel?

Die Argumentation von Eckhard Fuhr legt letzteres nahe, sie geht in etwa so: Wölfe lernen, dass Menschen nicht gefährlich für sie sind und sind deswegen weniger scheu. Das könnte irgendwann auch gefährlich werden, deswegen sollte man sie nicht zu scheu werden lassen.

Finde ich eine interessante Überlegung.

Die Lösung gegen die zu zahmen Wölfe ist laut Fuhr: Die Wölfe vertreiben, aber nicht mit körperlicher Gewalt, sondern mit Böllern. Man müsse ihnen klar machen, dass sie nicht in der unmittelbaren Nähe von Menschen erwünscht sind. Dann, so Fuhr, werden sie auch gar nicht erst richtig gefährlich und die Eskalation, die sonst drohe (??) könne verhindert werden.

Das erscheint mir erstmal logisch. Obwohl ich mir nicht sicher bin, ob eine Eskalation droht wären sie so auf jeden Fall unmöglich, ohne, dass die Wölfe aktiv erschossen werden müssen.

Eure Gedanken zum Artikel von Fuhr? Leider merke ich gerade, dass ich etwas zu müde bin, um das noch weiter zu durchdenken. Vielleicht Morgen.

und was denkt die Bevölkerung? ein Blick in die Kommentare

Unter den Artikeln toben natürlich die üblichen Kommentarschlachten, die es sowieso immer gibt.

Zitat von einem Kommentatoren auf SHZ.de: Nach den Schafen sind die nächsten Lebewesen dran, die dem Wolf ins Beuteschema passen: Kleine Kinder! Las heute in einer großen Zeitung: "Zäune schützen Kinder vor Wölfen" - na dann frohes Zaunbauen und hoffen, dass kein Wolf (oder Kínd?) durchflutscht."

Screenshot am 25.02.2015. Bearbeitung: Name des Nutzers unkenntlich gemacht. Quelle: http://www.shz.de/schleswig-holstein/wolf-greift-schafe-an-id9040846.html

 

 

Ich habe gerade keine Zeit dazu noch viel zu schreiben, ich lasse das mal so für sich sprechen. Highlights:

  • ,,Gutmenschen
  • ,,weil sie sonst der böße Wolf frißt

Ich habe schon mal in einem Forschungsprojekt über Internetkommentare gearbeitet. Ich weiß, dass es da sehr erhitzt zugeht und das nicht unbedingt die allgemeine Ansicht der Bevölkerung ist. Trotzdem: Von Wolfsrudeln zu schreiben, wirkt offensichtlich tatsächlich, manche bekommen Angst und richten ihre heutige Empörung dann mal auf die Wölfe…

Was sind eure Gedanken dazu und welche Artikel habt ihr noch über Wölfe gelesen? (Aus Zeitgründen habe ich jetzt nicht aller heraussuchen können…)

Weitere Artikel über die Mensch-Tier-Beziehung gibt es im Sammelpost.


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