Tipps für’s Balkongärtnern mit wenig Moos – günstig pflanzen.

Tipps für einen günstigen Balkongarten.

Spätestens, seit ich ein Gespräch mit meiner Melisse geführt habe, könnte es euch vielleicht aufgefallen sein: Ich habe seit einiger Zeit meinen grünen Daumen entdeckt und arbeite hart daran, zu einer verschrobenen Kräuterfrau zu werden. Das Winterende ist gerade irgendwie schon spürbar und die Vorbereitungen für das Gartenjahr Balkonjahr 2015 sind in vollem Gange. Mir fällt wieder auf, wie viel Geld so ein Balkongarten kosten kann; Geld, das ich gerade nicht habe. Mir ist aber auch aufgefallen, wie viel Spaß es macht, Pflanzen zu pflegen, zu säen und zu ernten. Ein Hobby, auf das ich nicht mehr verzichten möchte! Damit es also auch 2015 sprießt,habe ich ein paar Taktiken entwickelt, die Kosten niedrig zu halten, die ich euch mitteilen möchte.

Im Wesentlichen konnte ich drei Hauptausgabequellen identifizieren: Töpfe, Saatgut und Blumenerde. Hier lohnt es sich am meisten, anzusetzen.

statt Töpfe zu kaufen – Pflanzgefäße selbst bauen

Töpfe müssen zwar nur einmal gekauft werden, weswegen nicht jedes Jahr neue Kosten anfallen. Wenn man aber gerade neu mit dem Gärtnern anfängt und noch gar keine Töpfe besitzt, kann da schon einiges zusammen kommen. Auf den ersten Blick gibt es zwei Möglichkeiten:

1. Tontöpfe – Sind schön anzusehen, aber zerbrechlich und relativ teuer.
2. Plastiktöpfe – Sind nicht so schön anzusehen und aus einem potentiell umweltschädlichen Material. Dafür sind sie aber günstig und praktisch, weil sie nicht so schnell zerbrechen und wenig wiegen.

Beides überzeugte mich nicht wirklich. Ton ist war mir bei großen Töpfen zu teuer, Plastik finde ich nicht schön. Was nun? Mir zum Glück eine dritte Möglichkeit eingefallen

3. Upcycling von Gefäßen

Wenn kein Geld für neue Dinge da ist, dann macht etwas aus den Sachen, die günstig erhältlich oder kostenlos vorhanden sind. Verwertet Sperrmüll oder besucht einen Flohmarkt und schaut euch dort nach passenden Teilen um. Gerade für Pflanzgefäße gibt es viele Anregungen und Anleitungen, die man nachmachen kann. Oder einfach selbst kreativ werden! Prinzipiell eignet sich aber alles, was halbwegs wasserfest ist und das mit Wasserablauflöchern versehen werden kann.

Rucola in upgecycelter Pflanzwanne auf Balkon

mein Rucola in der Upcycling-Pflanzwanne

Ein paar Ideen:

Auch beim Upcycling lohnt es sich, nachzudenken. Selbst machen ist nicht immer günstiger. Wenn du dir erst drei verschiedene Farblacke und eine Bohrmaschine kaufen musst, dann ist es wahrscheinlich kein kostensparendes Projekt…

Im Frühjahr gibt es in einigen Supermärkten Töpfe im Angebot, letztes Jahr habe ich bei Lidl sehr große Töpfe für Gemüse, die sonst wirklich teuer sind, günstig bekommen. Es könnte also sinnvoll sein, die Discounter im Auge zu behalten.

hochwertiges Saatgut lohnt sich

Ein paar Mal habe ich im Drogeriemarkt sehr billiges Saatgut gekauft, z.B. für Radieschen, Rucola und Möhren. Es hat nicht gekeimt, obwohl die Bedingungen passten. Anschließend habe ich deutlich teureres Saatgut aus dem Bioladen benutzt und es wuchs. Am Ende habe ich doppelt bezahlt, für billiges Saatgut, das nicht funktioniert un dann noch für das teurere, das seinen Zweck erfüllt. Daraus schließe ich, dass die Qualität des billigen Saatguts tatsächlich schlechter ist.

Ich würde euch dringend raten, meinen Fehler nicht zu wiederholen: Es ist ziemlich schade, wochenlang zu warten, ob da nicht doch noch etwas wächst und dann enttäuscht zu werden. Bei manchen Pflanzen habt ihr dann auch die ideale Zeit zum Säen verpasst und müsst wohlmöglich ein Jahr warten. Das ist es nicht wert. Kauft also besser hochwertiges Saatgut.

Saatgut tauschen und verschenken

In einem Saatguttütchen ist meistens Saatgut für viele Pflanzen enthalten, die niemals alle auf einem kleinen Balkon Platz hätten. Außerdem läuft Saatgut irgendwann ab und verliert die Keimfähigkeit, weswegen jahrelanges horten meistens auch keine Lösung ist.

Meiner Meinung nach ist die einzig sinnvolle Option in diesem Fall das untereinander-Tauschen.

Fragt eure Freund*innen, ob sie Saatgut benötigen und bietet ihnen euer eigenes ungenutztes Saatgut an, statt es einfach verfallen zu lassen. Idealerweise sprecht ihr euch bereits vor dem Kauf miteinander ab, sodass keine Doppelkäufe gemacht werden. Mir hat letztes Jahr eine Freundin Brokkolisamen vorbeigebracht, ich fand das super.

Falls ihr keine Freund*innen habt, die gärtnern, könnt ihr entsprechende Facebookgruppen und vielleicht auch Foren nutzen. Zum einen bieten sich lokale Verschenkgruppen an, in denen ihr sowohl anbieten als auch suchen könnt, zum anderen habe ich auch bei meiner Suche folgende Gruppen gefunden, die speziell für Saatguttauschaktionen gegründet wurden:

Saatgut Tauschbörse
Bio-Saatgut-Tauschbörse
Saatgut wie zu Omas Zeiten

Statt Saatgut könnt ihr natürlich auch Ableger miteinander tauschen. Im Frühjahr gibt es oft lokale Tauschbörsen, es lohnt sich also, die Augen offen zu halten und euch zu informieren, ob in eurer Nähe eine solche Tauschveranstaltung stattfindet.

Saatgut selbst ziehen

Buschbohnen Saatgut

Das ist jetzt schon eher ein Tipp für Fortgeschrittene: Saatgut lässt sich selbst herstellen. Das macht Spaß, ist leicht und mir mit Bohnen sofort gelungen. Wie ihr Saatgut selbst zieht, weiß meistens das Internet. Da sich das Vorgehen je nach Pflanze unterscheidet, gebe ich hier jetzt keine Anleitung. Im Zweifelsfall gilt es, das spezifische Vorgehen zu googeln und sonst in Foren nachzufragen.

Wichtig ist nur eins: Um Saatgut selbst zu ziehen, müsst ihr vorher für die Pflanze samenfestes Saatgut verwendet haben. Das ist noch ein Grund, weswegen es sich lohnt, ordentliches Saatgut zu kaufen, denn billige Samen aus der Drogerie sind meistens nicht samenfest.

Es reicht nicht aus, Bio-Saatgut zu kaufen, auch dabei kann es sich um nicht samenfestes Saatgut, also so genannte Hybride, handeln. Nur Demeter-Saatgut oder Saatgut, dass einen entsprechenden Vermerk auf der Verpackung trägt, ist garantiert samenfest. Es handelt sich garantiert um einen nicht samenfesten Hybriden, wenn euer Saatgut einen Vermerk wie „F1″ auf der Packung trägt. Ein nicht vorhandener Vermerk heißt aber leider nicht im Umkehrschluss, dass das Saatgut samenfest ist. Eigentlich seid ihr also nur mit Demeter auf der sicheren, samenfesten Seite.

Bücher sind Luxus

Lexika sind wunderschön und ich liebe mein gefülltes Bücherregal. Notwendig sind Bücher für den Anfang aber nicht. Ich habe mir ohne ein einziges Infobuch alle Wichtige online angelesen. Zwar bin ich auch mit einem Gemüsegarten aufgewachsen, weswegen mir nicht alles ganz neu ist, trotzdem denke ich, dass sich wirklich jede einzelne Information online findet.

Es gibt nahezu alles Wissen, das ihr für einen kleinen Balkongarten benötigt, frei verfügbar im Internet, ihr müsst euch keine Ratgeber kaufen. Hier ein paar hilfreiche Links, Seiten, auf denen ihr einfach mal stöbern könnt:

Balkonkultur
10 Fehler bei der Balkonbepflanzung
9 Gemüsesorten für Anfänger
Netzwerk Balkongarten

Das mag jetzt erst mal etwas aufwendig erscheinen und lange nicht so einfach, wie schnell ein Buch zu kaufen und aufzuschlagen. Dazu muss ich aber sagen: Viele Ratgeberbücher sind schrott. Ich habe mir mal in der Bibliothek ein paar ausgeliehen. Viele davon, gerade die neueren, sind schön designt mit tollen Bildern und wirken sehr motivierend, schweigen sich aber aus, was die harten Fakten (,,Wann muss ich Petersilie säen?“ ,,Wie groß muss ein Erdbeertopf mindestens sein?„) betrifft. Bis ihr da die gesuchte Information gefunden habt, braucht ihr manchmal mehrere Ratgeber, die ihr dann alle durchblättern müsst. Das geht auch online und ist dann sogar kostenlos.

Also: Bücher sind schön, motivierend und eine nette Sache, im Falle vom Balkongärtnern aber nicht nötig.

Zubehör ist nicht so wichtig und teuer

Was für Bücher gilt, gilt auch für eine Gießkanne, Harke, spezielle  Diese Dinge sind verzichtbar. Ich spreche hier aus Erfahrung. Mit etwas Improvisationstalent geht’s meistens auch ohne. Und sonst fragt doch mal die Nachbar*innen.

Düngen mit Bananenschale und Kaffeesatz

Bananenschale kann als Dünger verwendet werden und Kaffeesatz auch. Beides ist vielleicht bei Pflanzen, die wirklich sehr viele Nährstoffe benötigen, kein vollwertiger Ersatz, kann aber zumindest die Ausgaben für Dünger reduzieren, zumindest, falls ihr ohnehin Kaffee trinkt und Bananen esst und diese Abfälle nebenbei entstehen. Auch mit Eierschalen könnt ihr düngen. Ebenso mit dem salzfreien Kochwasser von Kartoffeln und Gemüse. Das sind schon jede Menge kostenlose Düngemittel.

indirekt sparen durch die richtigen Pflanzen

Melissepflanze in Kübel auf einem Balkon

Aus der Melisse kann ich mir Tee machen – so habe ich weniger Ausgaben für Tee.

Pflanzt auf dem Balkon etwas an, für das ihr sonst anderweitig Geld ausgeben würdet. Wenn ihr häufig Geld für Schnittblumen ausgebt, pflanzt euch schöne Blumen, die ihr dann, wenn sie blühen, auf den Tisch stellen könnt. So müsst ihr seltener Blumen kaufen und spart dann an anderer Stelle noch etwas Geld.

Wenn ihr Basilikum liebt, pflanzt Basilikum, damit ihr ihn nicht mehr kaufen müsst.

Ich koche gerne mit Kräutern und bin dabei auch am liebsten sehr großzügig. Hochwertige gefrorene Kräuter kosten zwar jetzt kein Vermögen, doch es summiert sich in der Menge schon und mein Verbrauch ist hoch. Petersilie und Schnittlauch muss ich nicht mehr einkaufen, das spart mir immerhin ein paar Euro im Jahr.

Es ist wohl kaum möglich, sich mit einem Balkon selbst zu versorgen, aber ein paar Nutzpflanzen können die Lebensmittelkosten immerhin minimal verringern.

Fazit: Zeit und Kreativität statt Geld

Einen Haken haben die meisten meiner Tipps: Sie kosten Zeit und ein wenig mehr Mühe als die vergleichsweise teureren Lösungen. Nicht nur Geld, sondern auch Zeit ist eine ungleich verteilte Ressource. Alles in allem finde ich aber die meisten Tipps aber doch relativ gut umzusetzen. Es handelt sich ja hier auch um ein Hobby und Hobbies kosten nun mal Zeit.

Manchmal ist es aber auch einfach nur Kreativität gefragt, zum Beispiel bei der Frage: Was baue ich sinnvollerweise an? Da entsteht kein zusätzlicher Zeitaufwand.

Ein schöner Nebeneffekt vom tauschen und selbst machen: Es wird unkommerzieller. Im Falle von Saatgut würde ich sogar sagen, dass das tauschen eine hochgradig politische Dimension hat.

Bald ist es so weit, es wird grünen und blühen. Ich freue mich auf meine Pflanzen und wünsche euch ein gutes Balkonjahr. :)

Was sind eure Ideen, das schöne Hobby Balkongärtnern bezahlbar und für alle zugänglich zu machen? Woran lässt es sich gut sparen und woran besser nicht? Wie viel gebt ihr dafür aus und wo ist Einsparpotential?


Mehr zum Thema Balkon lesen? Hier geht’s zum Balkonupdate im April 2015. Und hier gibt es Motivation durch Ernteerfolge.


PS: Updates über neue Beiträge und interessante Links gibt es bei Kokon aus Luft auf Facebook oder von @Sabrinaschreibt auf Twitter. :)

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1 Kommentar

  • rotkopfchen sagt:

    Ah, super Beitrag! Ich will meinen Balkon gerade bepflanzen und nach genau sowas hab ich gesucht. Hach ich mag deinen Blog :) Liebste Grüße! Anni

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