Selbst gefälschte Statistiken – der Kokon im Jahre 2014.
selbst gefälschte Statistiken

selbst gefälschte Statistiken

,,Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast.“, sagte … ? Ja, von wem stammt denn eigentlich dieses bekannte Zitat, ein Klassiker in jeder Statistikeinführung?

Interessanterweise lässt sich das bisher nicht belegen. Am wahrscheinlichsten ist wohl, dass es Winston Churchill war, der diesen Satz sagte, vielleicht war es aber auch Göbbels oder jemand ganz anderes. Selbst die Historiker*innen, die intensivst die Kriegspropagandaquellen aus dem Zweiten Weltkriegs durchstöbert haben, um dem geflügelten Wort auf die Spur zu kommen, haben das Ursprungszitat noch nicht ausmachen können.

mit Statistiken die eigene Meinung untermauern

Unabhängig davon, wem der Ausspruch zuzuschreiben ist: Für mich steht fest: Statistiken lassen sich umdeuten. Sie können selektiv benutzt werden. Das geht z.B. indem immer nur die Zahlen, die gerade die eigene Argumentation stützen, gebraucht werden und beliebig viele anders lautende Statistiken ignoriert. Eine weitere Möglichkeit ist es, den rechnerischen Zusammenhang (,,Korrelation“) zweier Variablen zu einem inhaltlichen Zusammenhang umzudichten und diesen dann mit den eigenen Vorurteilen zu begründen. Statistiken sind für viele nur ein Werkzeug, um die eigenen Aussagen zu bestätigen und als solche auch gefährlich. (Oder eben praktisch…)

warum ich Statistiken mag

Als Soziologin interessiere ich mich doch sehr für Statistiken. Wenn sie richtig erstellt und angewendet werden, so denke ich, können sie uns doch etwas mitteilen und sind ein interessanter Zugang zu Strukturen, die den Dingen zugrunde liegen. Im Falle meiner Blogstatistik zeigen sie, wie Informationsflüsse stattfinden.

(Übrigens befinde ich mich hier in einer ganz ganz üblen Zwickmühle: Ich kann das Bedürfnis verstehen, dass Menschen ihre Daten schützen möchten. Es ist für mich mehr als nur verständlich, wenn ihr als meine Besucher*innen nicht möchtet, dass ich irgendwelche Daten, wie die Besuchslänge oder die IP, erhalten kann. Andererseits interessiere ich mich ungemein dafür, wer wie warum und wo surft. Ich interessiere mich für das, was Statistiken aussagen können. Es war nicht zuletzt meine Liebe für absurde Statistiken, die mich zur Soziologie brachte. Ich beobachte gerne Menschen. Ich würde gerne verstehen, wie alles miteinander in Verbindung steht und deswegen interessiere mich für eure Daten und beobachte manchmal meine Nachbarn. Wahrscheinlich wollen sie das nicht. Verflixt!)

Heute möchte ich den Pagerank Pagerank sein lassen, schnöde Besucherzähler ignorieren und euch ein paar interessantere kleine Zahlen zeigen. Selbst gefälschte Statistiken eben. Seht es als die kleine Spielerei einer Soziologin oder als Jahresrückblick. Viel Spaß.

Publikumslieblinge – die meist geklickten Beiträge 2014

  • Waschmittel aus Kernseife – ein Thema, das viele Menschen umzutreiben scheint. Mehrmals täglich wird dieser Beitrag aufgerufen, der einer meiner ältesten und sicherlich nicht mein bester  ist. Er erscheint bei einer Googlesuche zum Thema auf der ersten Seite und damit kennen wir auch den Grund für die vielen Aufrufe.
  • Dahinter rangieren die Zimtpflaumen, auch hier liegt das wohl hauptsächlich an dem guten Google-Ranking. Naja, was soll ich sagen: Die Zimtpflaumen sind wirklich ziemlich lecker und ich freue mich, wenn sie zu Ruhm kommen. :)
  • An dritter Stelle steht der Beitrag über Soja und Gesundheit.  Da es mich einige Stunden Zeit gekostet hat, die Infos dazu zu recherchieren, gefällt es mir, dass er nun noch immer gelesen wird.

die Texte, die ich selbst am liebsten mag

Tatsächlich weicht meine eigene Einschätzung etwas von der der Masse ab.

die merkwürdigsten Suchbegriffe

Leider verschlüsselt Google neuerdings die Mehrheit der Suchanfragen, die auf meinen Blog führen, sodass ich oft nicht erkennen kann, was genau da gegoogelt wurde, sondern nur, dass gegoogelt wurde. Wirklich schade. Trotzdem gibt es noch immer Anfragen, die ich sehe, und die mich mitunter etwas verwirrt zurücklassen. Warum um alles in der Welt googelt das jemand?

  • Kokon selbst herstellen (Wird schwierig, wenn du keine Spinne bist.)
    Sowieso, mir vollkommen unverständliche Suchanfragen, die das Wort Kokon enthalten, verirren sich regelmäßig hierher.
  • volltreffer (…und warum landet er*sie mit diesem Suchwort auf meinem Blog??)
  • das wichtigste Ding der Welt (äääh.)
  • wo beginnt im buch ein neues kapitel? (Mir bleibt nur ein hä. Ich verstehe die Frage nicht.)

meist benutzte Wörter

Noch interessanter als Statistiken sind ja eigentlich nur Statistiken, die sich auf Sprache beziehen.

Zum Glück gibt es TagCrowd. Dort könnt ihr eine URL eingeben und bekommt dann angezeigt, welche Wörter auf der betreffenden Seite am häufigsten genutzt worden sind. Weil das Angebot eigentlich für englischsprachige Texte ausgelegt ist, hat es Probleme mit Umlauten, sonst funkioniert es aber problemlos. Und das sind die Wörter, die ich am häufigsten benutze:

Grafik mit meinen meist genutzten Wörtern.

Erstellt auf tagcrowd.com.

Tiere, Geschenke, Ideen. Eigentlich alles ganz positive Wörter, oder? Ständig „eigentlich“ zu schreiben, könnte ich mir allerdings abgewöhnen. Mir ist noch nie aufgefallen, wie oft ich das als Füllwort zwischen meine Sätze schiebe.

Interessant finde ich vor allem, dass viele Substantive vorkommen, die scheine ich bevorzugt zu verwenden. Es könnte aber auch an der Struktur der deutschen Sprache liegen. Außerdem ist es ja leider so, dass „guter Schreibstil“ ja viel zu oft bedeutet: Amtssprache, die von Nominalisierungen nur so trieft. Anders ausgedrückt: Die Anerkennung des Geschriebenen liegt begründet in der Verwendung zahlreicher Substantive, deren Ursprung möglichst der lateinischen Sprache oder dem Griechischen entstammen sollte. Auf angemessene Länge der Sätze und mehrfache Verschachtelung diverser Satzteile ist zu achten.

ein paar Zahlen

Dieses Jahr habe ich 62 Beiträge veröffentlicht. Im Durchschnitt ist das also ungefähr einer in der Woche. Allerdings ist die Durchschnittsangabe in diesem Fall wenig aussagekräftig. Die Veröffentlichungsabstände variieren. Manchmal kam an zwei aufeinanderfolgenden Tagen jeweils ein Beitrag. Die längste Funkstille betrug in diesem Jahr 18 Tage. Da war ich allerdings auch im Urlaub.

Im Mittel beträgt der Abstand zwischen zwei Beiträgen 5 – 6 Tage. Im Mittel bedeutet in diesem Fall: Dieser Zeitraum war derjenige, der am häufigsten zwischen zwei Beiträgen stand.

Professionelle Statistiken würden jetzt noch angeben, wie stark meine Veröffentlichungsabstände variieren. Aber wir sind hier unprofessionell, ich erspare uns das. (Obwohl ich das Theoriewissen schon gerne mal anwenden würde…)

Ich würde gerne noch mehr veröffentlichen. Es gibt ein paar Themen, über die ich liebend gern schreiben möchte. Leider schaffe ich es dann aber zeitlich nicht, hochwertige, längere Beiträge zu schreiben. Also wird es wohl in etwa bei dieser Frequenz bleiben.

Im Winter kommt außerdem ein ganz spezielles Problem dazu: Es wird so früh dunkel, dass es oft lange dauert, bis ich es schaffe, gut ausgeleuchtete Fotos zu machen. Manchmal wartet ein Text wochenlang als fertiger Entwurf auf das passende Bild.

euer Beitrag – die Kommentare

Ziemlich viel „ich“ und „meine Texte“ hier, Selbstbeschauung. Doch natürlich sind auch die Kommentare ein wichtiger Teil des Blogs. 138 waren es im vergangenen Jahr. Einige davon sind zwar meine eigenen Antworten auf Kommentare, doch es bleibt auf jeden Fall eine ganze Menge. Danke für eurer Wirken!

Jeder einzelne Kommentar wurde freigeschaltet, sofern er von einem Menschen und nicht von einem Spambot stammte. Es gab keinen einzigen, der irgendwie beleidigend oder gar trollend war. Erstaunlich und schön.

So manches Mal gab es lebhafte Diskussionen und Gedanken, die mich wirklich zum Nachdenken gebracht haben. Aber auch ein simples Lob oder einfach nur zu wissen, dass meine Texte zur Kenntnis genommen werden, war und ist motivierend. Also danke ich euch ganz herzlich, dass ihr euch die Zeit nehmt, mich zu lesen und hier zu schreiben. Ich weiß es zu schätzen. :)

Am häufigsten kommentiert haben, in dieser Reihenfolge: Papyrus, Frl. Zyx und Ilona.

und 2015?

Kleiner Ausblick in das kommende Jahr: Auch 2015 werde ich kein festes Thema für diesen Blog habe und gucken, wie es sich inhaltlich entwickelt. Allerdings gibt es ein paar Dinge, die ich mir überlegt habe:

  • Ich werde Twitter verstärkt nutzen, um kurze Gedanken zu festzuhalten und zu teilen, wenn die Zeit schon nicht für einen Blogpost reicht.
  • Es gibt hier keine Blogroll mehr, seit ich zu WordPress umgezogen bin. Das muss dringend geändert werden.
  • Außerdem plane ich gerade mit jemand anders noch einen Blog zu einem Thema, das ich vorerst nicht verrate ;). Ich freu mich darauf, in einem Gemeinschaftsprojekt zu schreiben. Wenn es so weit ist, werde ich  an dieser Stelle auch noch mal darauf hinweisen.
  • Liebend gern würde ich politischer schreiben und noch viel mehr gesellschaftliche Themen ansprechen. Da ich allerdings meine richtige Jobsuche noch vor mir habe und ich durch die Impressumspflicht mit diesem Blog und den Ansichten, die ich hier vertrete, auch googlebar bin, bin ich unsicher, wie ich das handhaben werde. (Zaunpfahl: Die Headhunter unter euch dürfen mich jetzt gerne kontaktieren und mir Führungspositionen mit mindestens sechsstelligen Jahresgehältern anbieten. Oder einfach einen Job. Und bitte keine Taxifahrerwitze jetzt.)
  • Lyrik rückt für mich wieder mehr in den Vordergrund. Es gibt noch viele unveröffentlichte Gedichte und verschiedene Ideen, was damit getan werden könnte….

Das war sie, meine kleine Blogstatistik aus Freude am Zurückblicken. Falls das hier der letzte Beitrag in diesem Jahr bleiben sollte, wünsche ich allen Leser*innen ein paar erholsame freie Tage und einen Jahreswechsel voller Zuversicht.

Fragen: Wie war denn euer 2014? Auf dem eigenen Blog? Oder einfach nur so? Und wie habt ihr die Entwicklung hier wahrgenommen?


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2 Kommentare

  • Papyrus sagt:

    Danke für diese wirklich objektive Statistik 😉 Klasse. Am schönsten sind die Suchbegriffe. Ich staune auf meinem Blog auch über den ein oder anderen Begriff der auf mein Blog geführt haben soll. Nun denn.
    Und ich habe am meisten kommentiert? Ich bin baff.
    Wie mein Jahr 2014 war? Schlicht und einfach: bescheiden. Ich bin froh, dass es vorbei ist. Dieses Jahr kann nur besser werden. In diesem Sinne noch auf ein gutes neues Jahr und viele weitere interessante Blogbeiträge von dir, von mir, von …

    • Sabrina sagt:

      Ja, du hast tatsächlich die Ehre. :)

      Dass tut mir Leid, dass dein 2014 nicht so schön war. (Meins auch.) Deswegen: Voller Hoffnung ins fast noch neue Jahr. Ich wünsch dir, dass es besser wird. :)

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