Wie die Islamisierung des Abendlandes mein Leben bereichert.

Liebe Pegidafans,

(Diese Anrede ist rein rhetorisch. Ich glaube nicht, dass tatsächlich Pegidasympathisant*innen auf meinen Blog gelangen. Falls doch: Jetzt ist der Moment, an dem ihr eure arischen Ohren ganz intensiv spitzen solltet.)

Wir wissen ja alle, dass die Islamisierung Dresdens unmittelbar bevorsteht. Es sind harte Zeiten. Die Rente wird knapp, das Gespenst der Wirtschaftskrise wabert kühl durch deutsche Vorgärten. Wir sind in Gefahr, hat die Bildzeitung gesagt und der Sarrazin. Es sollte irgendetwas passieren, damit es den Menschen wieder besser geht. Wir müssen uns endlich wehren, denn wir sind das Volk.

Fangen wir doch mal bei den kleinen Dingen an, denn die sind oft am leichtesten zu verändern. Packen wir das Übel am Schopfe, ziehen es durch den Dreck namens Kultur und leben wir danach ein besseres Leben. Als Sofortmaßnahme gegen die Islamisierung des Abendlandes fordere ich den Boykott von:

1. Kaffee

Schon der Name verrät es, denn „Kaffee“ ist ein Lehnwort aus dem Arabischen. Seht sie euch an diese Buchstaben: ‏قهوة‎ . Kaffee, das bedeutet: Anregendes Getränk. Damit sollte Schluss sein, denn Kaffee kam über Aleppo nach Europa. Aleppo, richtig, das ist die Stadt, die mittlerweile nur noch aus Schutt und Asche besteht und deren Flüchtlinge wir nicht in unserem zivilisierten, christlichen Abendland haben wollen. Wo kämen wir denn da hin?

Bildquelle: Epsos.de auf Flickr. CC 2.0.

Bildquelle: Epsos.de auf Flickr. CC 2.0.

Statt Kaffee sollten wahre Deutsche sich mit etwas Eichelkaffee verwöhnen. Schmeckt zwar etwas bitterer und macht nicht so schön wach, aber für seine Überzeugungen sollte man schon auch Opfer bringen. Und die Symbolik. Ich meine: Eiche.

2. Falafel

Es ist nicht auszudenken: In deutschen Großstädten bilden sich Schlangen vor Falafelläden. Das prangere ich an! Importierte Kichererbsen sollten durch regionale Linsen ersetzt werden. Anstatt aromatischer Würzung kann die so entstehende Speise mit Wurzelpetersilie verfeinert werden. Nomnom.

Die Falafel sind nur ein Beispiel für die zahllosen kulinarischen Mitbringsel, die wir aus (überwiegend) islamische Kulturen importiert haben. Als nächstes sollten wir auch über die Abschaffung von Dönern, Cous-Cous und Gewürzen im Allgemeinen nachdenken. Weichgekochter Blumenkohl mit Schweineschwarte ist sowieso viel leckerer. Schmeckt auch gut zusammen mit Eichelkaffee.

3. Ziffern

Am deutlichsten aber zeigt sich die Islamisierung ja in ganz banalen Zahlen. Der Untergang des Abendlandes prangt überall in unserem Alltag: Auf Weckern und in Matheaufgaben, in dieser Liste und in jeder anderen, auf den Seitenzahlen des Buches, das ich gerade lesen. Ziffern, die ursprünglich aus Indien über den arabischen Raum in die europäische Wissenschaft und Gesellschaft gelangten.

Ich fordere euch auf, euch dem arabischen Ziffernsysten entgegenzustellen und so ein Zeichen im Alltag zu setzen. Es gibt Alternativen. Beispielsweise bietet sich das römische Zahlsystem an. Ist etwas lästiger, immer zusammenzuzählen, aber das sollte es uns doch wert sein…

Pegida ist doof

Stell dir vor, 15.000 Menschen demonstrieren gegen Kaffee, Ziffern und Falafel und eine ganze Menschengruppe denken, sie tun damit irgendjemandem einen Gefallen.

Stell dir vor, du bist Muslim*a und kannst ein ganz gewöhnlich-außergewöhnliches Mitglied einer vielfältigen Gesellschaft sein, das in Religionsfreiheit lebt und frei von Vorurteilen bleibt.

Ha. Ha. Ha.

Kommentare?

Kennt ihr noch weitere Errungenschaften der islamischen Kultur, die wir hier schätzen? Was sollte als nächstes der Re-Abendlandisierung Deutschlands zum Opfer fallen? Zimt?


PS: Um Missverständnisse zu vermeiden: Natürlich ist der Islam, muslimische Menschen und islamische Kultur sehr viel mehr als nur das hier. Außerdem gibt’s gerade auch keine Islamisierung.

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6 Kommentare

  • yunus sagt:

    Algebra… aus dem arabischsprachigen Raum diese Methode, die sie al-ǧabr (von arab.: „das Ergänzen“/„das Einrichten“) nannten. Der Begriff ist aus dem Titel des Rechen-Lehrbuchs Al-Kitāb al-muḫtaṣar fī ḥisāb al-ğabr wa-ʾl-muqābala („Das kurz gefasste Buch über die Rechenverfahren durch Ergänzen und Ausgleichen“, entstanden um 825) des persischen Mathematikers und Universalgelehrten al-Chwarizmi entnommen, der im 9. Jahrhundert in Bagdad wirkte. Vier Jahrhunderte nach der Publikation des Buches erschien seine lateinische Übersetzung Ludus algebrae almucgrabalaeque. Aus „al-ǧabr“ entwickelte sich das heutige Wort „Algebra“

    Schwarzpulver… In seinem Buch über berittenen Kampf und den Einsatz von Kriegsmaschinen (Al-Furusiyya wa al-Manasib al-Harbiyya) von etwa 1285 beschreibt der syrische Autor Hasan al-Rammah die Herstellung von Schwarzpulver, insbesondere die erforderliche Reinigung des Kaliumnitrats. [Wikipedia]

    ich könnte noch viele weiter Punkte aufzählen aber das würde den Rahmen sprengen.
    Ich empfehle jeden hier einfach mal in Google nach „Wissenschaft im Islam“ zu recherchieren. Interessante Videos gibt es auch in Youtube zu finden.

    • Sabrina sagt:

      Danke für deine Ergänzungen, sehr interessant! :) Ja, von Algebra hatte ich auch gehört. Schwarzpulver war mir neu
      Beim Schreiben des Artikels hatte ich nicht so viel Zeit, aber ich werde mir bald mal mehr dazu angucken, vielleicht gibt’s ja noch einen Teil 2, genug Erfindungen dafür existieren jedenfalls…

  • Fernrohr und Kompass sind doch auch von Muslimen erfunden worden? Aber natürlich in Zeiten von GPS und der Smartphonebedingten Kurzsichtigkeit in Vergessenheit geraten.
    Schwarzpulver dachte ich immer hätten die Chinesen erfunden.

  • Papyrus sagt:

    Vielen Dank für diesen wunderbaren Beitrag, der mehr als wahr ist. Unser Essen wäre allgemein sehr fad und geschmacklos, kommen doch viele Gewürze aus dem arabisch / islamischen Raum. Aber es ist müßig, Menschen die eine ganze Glaubensgemeinschaft an den Pranger stellen sind wahrscheinlich resistent gegen alle Argumente der anderen Seite.

    • Sabrina sagt:

      Ja, gerade bei Gewürzen ist es so offensichtlich.
      Was ist denn bitte mit Stollen? Sind die Gewürze da auch alle deutsch? 😀

      Manche Menschen wollen es nicht verstehen…

Was denkst du dazu?