Mein Nachbar, der Igel.
Igel sitzt im Gras. Text: Der nette Igel von nebenan.

Bild: antidigital_da auf Flickr. Von mir bearbeitet. CC 2.0.

Mein entspannter Mitbewohner heißt Naru und ist ein Kater.

Mein neuer Nachbar Ivo ist ein stachliger Insektenfresser, der Laubhaufen mag.

Diese Sätze klingen sentimental, überemotional, verniedlichend. Die meisten würden sie höchstens einem Kind gegenüber verwenden.

Heute möchte ich mich damit beschäftigen, wie sich die Wahrnehmung verändern könnte, wenn wir Tiere als Nachbarn betrachten würden.

(Zur Erinnerung: Schon in meinen letzten beiden Beiträgen habe ich darüber geschrieben, wie wir als Gesellschaft mit Tieren umgehen. Es ging um die Artengrenze und um Melanie Joys Idee von Karnismus. Heute geht’s weiter.)

alte Bekannte neu gesehen

In ihrem tollen ,,Artgerecht ist nur die Freiheit“ schlägt Hilal Sezgin vor, bestimmte Tiere einfach wie Nachbar*innen oder Mitbewohner zu behandeln. (Leider hatte ich das Buch nur ausgeliehen, habe es  nicht mehr vorliegen und kann die Stelle jetzt nicht genau zitieren.)

Ich finde diese Idee einleuchtend und glaube sogar, dass man sie auf alle Tiere ausweiten kann. Das Problem der entstehenden Artengrenze wäre damit schon mal umgangen. Gleichzeitig heißt es aber nicht, dass alle Tiere mir gleich viel bedeuten. Eine Beziehung habe ich nur zu einigen Individuen.

Was ebenfalls wichtig ist: Seine Nachbarn oder Mitbewohnerinnen muss man nicht mögen, um sie zu respektieren und ihre Rechte zu achten. Ein Beispiel: Auch, wenn mir die Frau, die die Wohnung unter meiner bewohnt, wirklich ausnehmend unsympathisch ist, vertreibe ich sie nicht aus der Hausgemeinschaft. Ich mag sie nicht und meide es vielleicht, ihr im Hausflur zu begegnen. Trotzdem stehe ich ihr natürlich das Recht zu, eine Wohnung zu bewohnen. (Und noch so einige andere Rechte.)

Nachbar*innen und Mitbewohner*innen sind Personen, Individuen und darauf zielt diese Idee ab.

Die Schweine, die Hunde, die Mäuse usw. sind nämlich nur Gruppen und wenn abstrakte Gruppen leiden, können wir uns davon viel leichter distanzieren und unbeteiligt geben.

So wird für mich deutlich: Man muss nicht jedes einzelne Tier lieben, um es nicht zu essen. Es reicht, die Gruppe der Tiere zu respektieren.

gar nicht immer so neu

Es gibt auch schon jede Menge Fälle, in denen die Begegnung zu einzelnen Tieren tatsächlich ganz entspannt auf diese Art und Weise stattfindet. Auf individueller, annähernd gleichberechtigter Ebene:

1. Haustiere
2. Vögel, die im Winter mit Meisenknödeln gefüttert werden
3. Filmtiere, die als Helden gefeiert werden

Es wäre also  ein Konzept, das ausgeweitet und konsequent angewendet/gedacht wird.

weiterlesen?

Hilal Sezgins Buch sei allen Interessierten unbedingt ans Herz gelegt. Inhaltlich fundiert und dabei unterhaltsam führt sie voller Engagement durch die vielfältige Geschichte der Tierethik. Ich hatte vor einiger Zeit schon mal einen Erfahrungsbericht von ihr rezensiert, der mir sehr gefiel und dieses Werk ist mindesten ebenso empfehlenswert. Tolle Schriftstellerin!

Die Idee mit Nachbarinnen und Mitbewohnern ist nur ein ganz kleiner Ausschnitt aus vielen inspirierenden Gedanken, die sich dort finden.

Schreibe einen Kommentar!

Siehst du Tiere als Nachbarn oder gar Mitbewohner? Können Tiere, wie Menschen, einfach Nachbar*innen, Wesen, die mit uns den Lebensraum teilen, sein? Was würde sich genau dadurch verändern? Ich freue mich über einen Austausch zu diesen und verwandten Ideen.

Was denkst du dazu?

Danke!

Außerdem möchte ich mich auch noch mal dafür bedanken, dass ihr unter den letzten beiden Artikeln bei so konstruktive, überlegte Kommentare abgegeben habt. Ihr ward bereit, euch gedanklich auf Neues einzulassen. Wie Kommentatorin Lina auch geschrieben hat: Das ist bei diesem Thema leider keine Selbstverständlichkeit. Deswegen freut es mich um so mehr. So macht Bloggen Spaß!


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