Wie du ein gutes Geschenk machst. Nicht nur zu Weihnachten.

zwei kleine Päckchen

Bald ist es so weit und all die unglücksseeligen Menschenkinder unserer (christlich geprägten) Sphäre werden sich mal wieder gegenseitig mit Socken, Krawatten oder Dampfreinigern beglücken. Verkrampftes Lächeln für Verlegenheitsgeschenke: dankedanke, ja doch, ganz toll der Rollkragenpullover, Oma. Echt. (…nicht.)

Ein großer Weihnachtsfan bin ich persönlich nicht, aber ich mag Schenken, egal zu welchem Anlass, am liebsten ohne Anlass. Und so nutze ich die Weihnachtszeit, um euch meine Tipps zum Thema Geschenke mitzugeben, die das ganze Jahr lang gelten und euch dabei helfen sollen, weniger peinliche Situationen erleben zu müssen.

Schenken aus freiem Herzen.

Es heißt schenken, nicht tauschen. Das bedeutet: Es ist das Konzept der ganzen Sache, nichts zurückzubekommen. Weder ein Gegengeschenk, noch glückliche Kinderaugen, Dankbarkeit oder gar Liebe. Nichts. Eigentlich ist das selbstverständlich, aber tief in uns tragen wir doch relativ häufig noch irgendwelche Erwartungen an die Beschenkten, beispielsweise in der Form von:

Ich habe mir solche Mühe gemacht, etwas schönes für ih*n zu finden, jetzt muss er sich wenigstens an Weihnachten auch mal benehmen.

Die Jacke war so teuer und sie* hat nicht mal richtig danke gesagt!

Ich habe mir diese Gedanken systematisch abgewöhnt. Beim Schenken geht es nicht um mich, sondern um den*die Empfänger*in. Es hilft, sich immer wieder zu sagen: Ich möchte dir eine Freude machen, nicht mir. Du musst gar nichts.

Andernfalls müsste man es ehrlicherweise nicht mehr Geschenk, sondern Tausch mit unausgesprochen verlangter Gegenleistung nennen und da wird dann deutlich, wodurch die Probleme entstehen: Durch Erwartungen, von denen der*die andere noch nicht mal weiß, dass sie existieren, sodass es ihm*ihr überhaupt gar nicht möglich ist, zu entscheiden ob er*sie die Gegenleistung erbringen möchte oder lieber ganz auf das Geschenk verzichtet.

Also: Gewöhnt euch die Erwartungshaltung ab, die gerade in typischen Weihnachtsschenkungssituationen vielleicht aufkommt.

Nimm es, wenn du willst. Geschenke als Angebote.

Stattdessen betrachte ich meine Geschenke immer als Angebote an die Beschenkten.

Hier, das habe ich für dich gemacht/gekauft/vorbereitet/etc. Wenn es dir gefällt, hab Freude daran. Wenn es dir nicht gefällt, auch nicht schlimm. Den Versuch war es wert.

Diese Haltung ist frei von Erwartungen. Sie ist auch frei von der Erwartung an mich selbst, das perfekte Geschenk zu machen. Am Ende entscheidet jemand anders für sich, ob er*sie das Geschenk annehmen möchte. Das Schenken ist damit frei von sozialem Druck.

Eigentlich sollte das alles selbstverständlich sein, ist es aber meiner Erfahrung nach, bei vielen Menschen, mit denen ich zu tun habe, nicht. Deswegen erwähne ich es hier.

Schenken ist Kommunikation.

Was mir dabei hilft, Geschenkpannen zu vermeiden, ist, Schenken als Kommunikationsmedium anzusehen. Unvermeidlich drücke ich durch ein Geschenk etwas aus. Ich mache Aussagen über mich und über die empfangende Person, vielleicht auch über unsere Beziehung zueinander. In einzelne Gegenstände lässt sich manchmal vieles hineininterpretieren, auch Aussagen, die vielleicht nie gemeint waren.

Ich bin nicht mehr aktuell informiert über Kommunikationstheorie, die sich sicher weiterentwickelt hat, aber mir ist z.B. noch die Idee von den vier Ohren im Kopf verblieben.

  • Es gibt eine Sachinformation.
  • Es gibt eine Selbstoffenbarung.
  • Es gibt einen Appell.
  • Es gibt eine Beziehungsbotschaft.

Vielleicht hattet ihr das ja auch mal in der Schule, ich kenne es tatsächlich noch aus dieser Zeit.

Habt ihr eine Geschenkidee, die ihr für eine bestimmte Person als passend erachtet, lohnt es sich vielleicht, mal nachzudenken, was die vier Ebenen eines Geschenks eigentlich besagen (könnten).

Wenn sich nämlich jemand von einem Geschenk beleidigt, angegriffen oder verletzt fühlt, dann liegt das in aller Regel nicht an dem Gegenstand selbst, sondern an dem, was er aussagt und symbolisiert.

Beispiel: Ich schenke einer Freundin ein schönes Parfum, ohne jeglichen Hintergedanken, weil ich denke, dass sie es gebrauchen kann. Möglicherweise interpretiert sie das Geschenk falsch und denkt, ich möchte ihr dadurch zu verstehen geben, dass sie stinkt. Sie sieht also einen Appell in dem Geschenk, den ich nicht abgegeben habe. Es lässt sich aber nicht leugnen, dass das so verstanden werden kann. Wenn sie mich gut kennt, passiert das nicht. Trotzdem, wenn wir davon ausgehen, dass sich in jedes Geschenk irgendein Appell hineinlesen lässt, auch, wenn ich vielleicht auf einer ganz anderen Ebene zu der beschenkten Person sprechen wollte, dann können wir besser verstehen, wie es zu Enttäuschungen und Konflikten durch Geschenke kommt.

Anderes Beispiel: Wenn ich etwas ungewöhnlich Teures verschenke, sage ich damit etwas über mich selbst aus. Ich sage zwangsläufig, dass ich die Möglichkeit habe, viel Geld für ein Geschenk auszugeben, auch, wenn das nie meine Absicht war. Das wäre die Ebene der Selbstoffenbarung.

Also immer überlegen, was durch ein Geschenk, das zwei Menschen in Beziehung zueinander setzt, alles kommuniziert wird.

Ich habe jetzt Negativbeispiele genannt, natürlich kann das alles auch positiv wirken und ihr könnt diese Kommunikationsfunktion für Schönes nutzen. Versteht also, dass schenken auch bedeutet, zu kommunizieren und handelt dementsprechend.

Wie du ein gutes Geschenk findest: Erkenne Bedürfnisse.

Jetzt wissen wir schon ein bisschen, was wir mit einem Geschenk nicht tun sollten: Wir sollten keine Erwartungen haben. Außerdem sollten wir beachten, was wir vielleicht durch das Geschenk kommunizieren. Und wie finden wir nun konkret ein gutes Geschenk?

Zusammengefasst: Lerne eine Person kennen. Beobachte, womit sich jemand umgibt. Was hat er*sie für Vorlieben und Abneigungen? Welche Themen interessieren ihn*sie? Wie ist seine*ihre Wohnung eingerichtet? Kleidungsstil? Worüber beschwert er*sie sich immer wieder? Worüber freut er*sie sich wiederholt? Wie ist sein*ihr Humor? Ist die Person materialistisch oder weniger materialistisch eingestellt? Das alles sind Fragen, die helfen können, herauszufinden, was gerade für Bedürfnisse vorhanden sind. Achte auf kleine Details und Äußerungen und frage dich: Was macht ihn*sie wirklich aus?

Das geht und das geht auch, wenn jemand nicht dein*e beste*r Freund*in ist. Lerne, zuzuhören und zu beobachten. Richte dich auf die andere Person aus. Denke an gemeinsame Erlebnisse zurück. Verabschiede dich von dem Gedanken, dass es allgemeine Ratschläge für gute Geschenke gibt.

Zugegeben, das kostet ein wenig Zeit und Hirnschmalz, doch ich finde, dass es sich lohnt. Seit ich so vorgehe und bei der Suche nach schönen Geschenken immer die Person vor Augen habe und meine eigenen Ideen zurückstelle, habe ich es schon oft geschafft, den Beschenkten wirklich eine Freude zu machen.

Um dieses Vorgehen noch etwas zu illustrieren, möchte ich zum Abschluss noch ein paar Beispiele bringen, wie ich auf Ideen gekommen bin.

  • Meine Großmutter hat immer sehr viele Fotos von Familienmitgliedern im Wohnzimmer stehen. Irgendwann merkte sie mal an, dass aktuelle Fotos von mir fehlen uns tatsächlich war das letzte schon mehrere Jahre alt. Monate später schenkte ich ihr ein furchtbar spießiges klassisch gemachtes Bild in einem furchtbar spießigen konservativen Bilderrahmen, den ich selbst grausam fand, der aber zu ihrem Einrichtungsgeschmackt passte. Sie freute sich sehr. Fotos sind nicht die kreativste Idee und nicht für jeden geeignet, aber in diesem Fall war es ihr wirklich ein Anliegen, wieder ein aktuelles Bild zu haben und erfüllte ein Bedürfnis. Dieses Beispiel zeigt auch, dass man nicht immer die krassesten Ideen haben muss.
  • Eine andere Freundin fühlte sich oft unbeliebt. Zu einem ihrer Geburtstage habe ich vorher verschiedene Freund*innen von ihr angesprochen, eine nette Seite zu gestalten, was sie auch gerne taten. Daraus habe ich dann ein Buch für sie gemacht. Das war viel Arbeit, für sie aber ein schöner Beweis, dass sie nicht unbeliebt ist.

(Update: Weitere Gedanken zum Schenken habe ich auch bei Dina gefunden.)


Für die Kommentare würde mich interessieren, wie ihr selbst auf gute Geschenkideen kommt? Wie vermeidet ihr peinliche Situationen und schlimme Geschenke? Was waren eure besten Ideen bisher? Könnt ihr mit meinen Hintergrundgedanken zum Schenken etwas anfangen?


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3 Kommentare

  • Das ein Geschenk nicht umbedingt dem Schenker gefallen muss, dass ist ein guter Gedanke. Normalerweise habe ich immer das Bedürfnis etwas zu schenken, das ich selbst auch gut finde. Aber Menschen sind verschieden und man darf nicht von sich aus gehen wenn man dem Anderen eine Freude machen will.

  • Anni sagt:

    Sehr schöner Beitrag, den ich mal lieber vor Weihnachten gelesen hätte! Aber ich finde auch vor allem den Gedanken, dass das Geschenk dem Beschenkten gefallen und vor allem auf seine Bedürfnisse eingehen sollte klasse und werde versuchen in Zukunft beim Geschenkekauf an deinen Beitrag zu denken :)

    • Sabrina sagt:

      Ach, dann weißt du beim nächsten Weihnachtsfest, was du beachten kannst. Schenken ist ein Skill für’s Leben. ^^ Freut mich, dass du etwas daraus mitnehmen konntest.:)

Was denkst du dazu?