Kochen bis zum Rückenschmerz. Heute: Persisch inspiriert.
,,Es ist ja Wochenende, da kannst du ja mal etwas richtig aufwendiges kochen.“, dachte ich am vergangenen Freitag und ahnte nicht, dass der Rest des Tages von diesem Moment an verplant gewesen sein sollte. Ich habe die Tendenz, mich mit ambitionierten Kochprojekten etwas zu übernehmen. Und so habe ich dann auch über drei Stunden am Herd gestanden für ein Essen, das anschließend vor lauter Hunger in einer schnellen Viertelstunde hinuntergeschlungen wurde.
Veganes persisches Menü
Heute gibt es gebratene Zucchini, Borani (Spinatjoghurt) und Juwelenreis mit Pistazien und Aprikosen. ❤

Dabei hörte sich das in der Theorie alles ganz einfach an. Irgendwie hatte ich die Idee, persisch zu kochen. Persisches gegessen hatte ich bis dato noch nie, aber irgendwie hatte ich Lust auf etwas Neues, den nächsten Geschmackskick, die Erweiterung meiner kulinarischen Komfortzone. Nach einer schnellen Suche bei Chefkoch hatte ich ein paar Rezepte gefunden, die sich interessant anhörten. Ich habe sie leicht verändert und vegan gemacht.

Der Aufwand begann schon damit, dass ich in ungefähr fünf verschiedenen Geschäften erfolglos nach Berberitzen suchte, die ich vorher erstmal googeln musste. Für Tipps zur Beschaffung bin ich also dankbar, denn nein, auch der persische Laden hatte sie nicht. Erfreulicherweise sind alle restlichen Zutaten aber wenig außergewöhnlich und gehören eigentlich zu den Sachen, die ich zu Hause hatte.
Außerdem braucht man irrsinnig viele Töpfe für dieses Essen. Zwischendurch musste ich immer wieder Pause machen und Töpfe säubern, weil ich sonst nicht weiterkochen konnte. Aus diesem Grund würde ich auch empfehlen, alles nacheinander zu machen, also erst den Joghurt, dann die Zucchinis und dann den Reis.

Spinatjoghurt

Borani vegan - persischer Spinatjoghurt
Grün wie die Hoffnung, grün wie das Gras, grün wie Borani.
  • 125 g (Tiefkühl-)Spinat
  • 250 g Sojanaturjoghurt (Natur heiß v.a. ungesüßt. Der beliebte alpro Naturjoghurt eignet sich hier nicht!)
  • Salz und Pfeffer

Den Spinat in Wasser kochen bis er zusammenfällt. Dann in ein Sieb abgießen und alles Wasser ausdrücken. Abkühlen lassen. Nun gibt es zwei Möglichkeiten.

  1. Wer einen Pürierstab hat, püriert einfach alles kurz. Das sieht schöner aus, weil eine einheitlich grüne Sauce entsteht. Ich mag die Farbe. :)
  2. Alternativ dazu einfach den Spinat mit einem Messer klein schneiden und unter den Joghurt rühren. Geht genau so ist nur etwas weniger giftgrün. Vollkommen in Ordnung, so lange man kein*e Foodblogger*in ist und übertriebenen Wert auf optische Effekte legt. Wobei, das Auge isst ja bekanntlich mit…

Abschließend noch mit etwas Salz und Pfeffer abschmecken und für den Moment abgedeckt und am besten gekühlt zur Seite stellen.

(Vorlage: Borani – Spinatjoghurt auf Chefkoch.de)

gebratene Zucchini

nach persischer Art gebratene Zucchini
  • eine große Zucchini, Gewicht ca. 300 g
  • 2 Knoblauchzehen
  • 4 EL Olivenöl
  • Curcuma, Cumin, Pfeffer, Salz
  • 60 ml Gemüsebrühe

Die Zucchini waschen und in ca. 1 cm breite Schreiben schneiden. 3 El Öl in einer Pfanne erwärmen und die Zucchini bei mittlerer Hitze etwa sieben Minuten anbraten. Eine Schüssel bereithalten. Wer Kalorien sparen möchte, hat an dieser Stelle die Möglichkeit, die Schüssel mit Küchentüchern auszulegen, um überschüssiges Öl aufzunehmen. Das kann man aber auch gut lassen. Wir wissen ja alle, dass Fett ein Geschmacksträger ist…

Hoffentlich ist auch noch etwas Öl in der Pfanne geblieben. Dieses wird nun mit einem EL Olivenöl aufgestockt. Außerdem muss nebenbei die Gemüsebrühe vorbereitet/bereit gestellt werden. Jetzt die Knoblauchzehen klein würfeln und kurz in dem Olivenöl anbraten. Etwas Curcuma, Cumin, Salz und Pfeffer dazu tun. Ganz kurz so braten und dann alles mit Gemüsebrühe ablöschen.

Diese Brühe wird nun über die Zucchinis gegossen. Damit sind diese ebenfalls fertig.

(Vorlage: Persische Zucchini auf Chefkoch)

Juwelenreis

persischer Juwelenreis (vegan)
v.l.n.r: Kruste, Aprikosen, Pistazien, Reis
  • 250g weißer Basmatireis
  • zwei Karotten
  • eine Zwiebel
  • 60g Margarine (ich empfehle die Marke Alsan, schmeckt am besten)
  • 40g gestiftete Mandeln
  • 40 g Pistazien
  • 1EL Sojajoghurt Natur
  • 50g getrocknete Aprikosen
  • 1 Prise Safranfäden
  • Zimt, Cumin, Cardamom, Zucker, Salz, Pfeffer

Achtung Achtung: Bereits zwei Stunden vor dem Kochen muss der gewaschene Reis zum Einweichen in einen Topf mit Salzwasser gelegt werden.

Während des Einweichens lassen sich schon einige Dinge vorbereiten.

  1. Zuerst mal die Pistazien, wenn sie mit Schale gekauft wurden, knacken und im Mörser leicht zermörsern. Dann die Pistazien und die Mandeln bei geringer Hitze in einem kleinen Topf ohne Fett anrösten, bis sie aromatisch duften. Anschließend für später zur Seite stellen.
  2. Die Aprikosen in kleine Stücke schneiden. Mit einem EL Zucker ganz kurz in einem Topf erhitzen und danach ebenfalls für später bereit stellen.
  3. Die Safranfäden in einem kleinen Gefäß in etwas warmem Wasser vorbereiten.
  4. Eine Gewürzmischung aus einem halben Teelöffel Zimt, einem halben Teelöffel Cumin und einem viertel Teelöffel Kardamon herstellen und mit einem Löffel bereit stellen.
  5. Die Zwiebel und die Karotten fein würfeln und in etwas Öl andünsten.
  6. Kurz bevor die zwei Stunden um sind, die Margarine erwärmen.

Nach zwei Stunden den Reis mit etwa 500ml Wasser zum Kochen bringen. 6 – 7 Minuten im kochenden Wasser gar werden lassen und dabei etwas Salz und den einen EL Joghurt zugeben.

In einem mittelgroßen Topf einen Teil (ca. 1/3) der Margarine flüssig werden lassen. Wichtig ist, dass der Boden auf jeden Fall bedeckt ist. Jetzt wird geschichtet: Zuerst etwas Reis auf die Margarine. Den Reis dann mit einem Teil der vorbereiteten Gewürzmischung bestreuen. Darauf einen Teil der Zwiebel- und Möhrenwürfel geben. Dann wieder würzen. Anschließend wieder Reis. Würzen. Usw, bis alles verbraucht ist. Dann den Rest der Margarine und das Safranwasser auf die Mischung gießen.

Ein sauberes Geschirrtuch um den Topfdeckel wickeln und den Topf verschließen. Durch das Tuch tropft kein Kondenswasser zurück in den Topf. Nun bei kleiner bis mittlerer Hitze eine halbe Stunde  dämpfen.

Nach etwa einer halben Stunde sollte sich am Topfboden eine knusprige Kruste gebildet haben. Es empfiehlt sich, zwischendurch zu kontrollieren, ob da auch nichts anbrennt.

Der Reis wird zum Schluss noch mit Aprikosenstücken, Mandeln und Pistazien bestreut. Nun kommen auch die Zucchini und die Joghurtsauce zum Einsatz, denn sie schmecken hervorragend in Kombination mit dem Reis. Damit ist das Menü fertig. Herzlichen Glückwunsch für das Durchhalten und Guten Appetit. :)(Vorlage: Persischer Juwelenreis auf Chefkoch)

Genuss

persisches veganes Menü

Abgesehen von den ansprechenden bunten Farben, die auch visuelle Genießer*innen überzeugen sollten, war es wirklich, wirklich lecker. Gerade der Reis ist absolut toll und durch die Aprikosen und die Kruste auch etwas besonderes. Drei Stunden in der Küche zu stehen, ist schon grenzwertig und natürlich nichts für den Alltag, aber in diesem Fall hat es sich gelohnt… Noch mal würde ich mir diese Mühe allerdings nur machen, wenn ich Besuch von vielen Leuten habe und gleich sehr große Mengen zubereite. Da fällt der Zeitaufwand dann für mich weniger ins Gewicht.

Übrigens haben wir hungrige Mäuler zu zweit alles aufgegessen. Wenn der Hungerpegel auf einem normalen Level und nicht auf „Ich kippe vor Unterzuckerung gleich um“ eingestellt ist, werden aber eher drei als zwei Leute gut satt. (Schätzung.)

Spinatjoghurt und Juwelenreis

authentisch?

Beim Verfassen des Beitrags fragte ich mich: Ist das eigentlich angemessen, wenn ich, ohne mich intensiver mit der Kultur beschäftigt zu haben, diese Rezepte poste? Das könnte man ja weiterführen: Wie ist es z.B. wenn Europäer*innen sich mit japanischen Rezepten profilieren, damit vielleicht sogar Geld verdienen? Oder all die Lebensmittel, die neu entdeckt und kommerziell vermarktet werden, aber anderswo in indigenen Kulturen schon jahrhundertelang konsumiert werden. Quinoa ist so ein Beispiel. Ein weites Feld, weil sich hier Fragen verschränken, die ich sehr komplex finde. Globalisierung, verschiedene Kulturen und Diskurse darüber spielen eine Rolle.

Um das abzuschließen: Ob das, was ich jetzt gemacht habe, tatsächlich persisch/authentisch ist, kann ich nicht sagen. Im Zweifelsfall nein.(!!). Wer sich mit persischem Essen auskennt, kann es mir gerne in den Kommentaren verraten. Ich nenne es also lieber: Sabrinas Menü, inspiriert von der persischen Küche.

Falls du dieses Menü oder einen Teil davon nachkochst, interessiert mich natürlich sehr, ob es gelungen ist und geschmeckt hat. Und ansonsten die Frage: Was muss ich uninformierte zu persischem Essen noch wissen? :)
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PS: Mehr Rezepte gibt es im entsprechenden Sammelpost.

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4 Kommentare

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