#DeineFreiheit. Weil andere keine haben.

Ach. Ach. Nestlé.
Ach!

Allzu lange ist es noch nicht her, dass ich mich an dieser Stelle über phänomenal unzutreffende Werbung und eine menschenverachtende Expansionspolitik erzürnte. Es tat so gut, die Dummdreistigkeit, ach nein, das satirische Talent der Werbemenschen von Nestlé als das zu verlachen, was es ist: nichtssagendes Gelaber zur Imagepflege eines der ätzendsten Lebensmittelkonzerne überhaupt. Es ist eine Minute Greenwashing, über das man eigentlich kein weiteres Wort verlieren müsste, wenn da nicht irgendwo jemand mit einem anscheinend ziemlich reichlichen Budget die paar hunderttausend Euro ausgegeben hätte, die es kostet, dieses Prachtstück von Konsument*innenverdummung zur Topsendezeit auszustrahlen. Noch besser, als das alles mal aufzuschreiben, war es eigentlich nur, dass dieser Beitrag bisher einer der meistgeklickten meines Blogs ist. Danke für das Interesse. Ich dachte, das wäre es erst mal gewesen.
Nun ist das Thema ungeahnt noch mal aktuell geworden. Es ist nicht so, dass ich nach Anlässen suche, um mich über Nestlé aufzuregen. Wirklich nicht. Doch leider ließ mir das Plakat, das ich vor ein paar Tagen an einer Bahnstation entdeckte, gar keine Wahl. Es ist Zeit für einen zweiten Nestlé Rant. Der zweite innerhalb von weniger als einem Monat.
#DeineFreiheit Nestlé Gewinnspiel
Quelle: Facebook
Wer unter #DeineFreiheit twittert, kann irgendetwas gewinnen. So viel habe ich verstanden und das reicht eigentlich auch schon. Also. Es geht hier offensichtlich um Freiheit. Schönes Wort. Es hätte natürlich ebenso #Sonne oder #DeinSommer werden können. Vielleicht auch #Eisteeliebe. Einer dieser irgendwie nett klingenden Ausdrücke eben, unter denen sich niemand genaueres vorstellt. Freiheit, die wollte Bush dem Irak bringen. Freiheit, darüber spricht auch Joachim Gauck sehr gerne und er hat sogar ein Buch darüber geschrieben. Freiheit von den Zwängen des Kapitalismus, das wollen vielleicht Linke. Freiheit ist schon lange zur Worthülse montiert, die alle politischen Lager als ihre Programmatik beanspruchen. Freiheit muss auch nicht mehr unbedingt politisch sein. Freiheit kann auch nur bedeuten, Cabrio zu fahren oder einen Tag nicht zur Arbeit gehen zu müssen.Freiheit ist prinzipiell super. Niemand kann etwas gegen Freiheit haben.
Dieses Wort, Freiheit, wenn es für sich allein steht, bedeutungslos geworden. Es stellt sich immer die Frage, Freiheit wovon oder wozu es eigentlich geben soll. Dazu gibt es hier keine Aussage. Nein, nachgedacht haben die Leute, die für diesen Hasshtag verantwortlich sind, wohl nicht sehr viel. Weiterhin stellt sich natürlich die Frage, wessen Freiheit hier eigentlich propagiert wird. Da ist Nestlé dann aber wenigstens ganz ehrlich, damit auch niemand vergisst, dass es ein ganz und gar unsympathischer Laden ist. Es geht um #DeineFreiheit. Meine. Unsere. Die der Konsument*innen.
Zuckriger Nestea hat mit Freiheit nicht viel zu tun Eher mit Unfreiheit, der Ausbeutung von Menschen und mit Ignoranz. Mit Ignoranz für Lebensumstände, vielleicht sogar Leben. Nestea ist nicht Freiheit. (Infos dazu im letzten Beitrag über Nestlé.) Zum Glück haben das ein paar Menschen erkannt, haha.
#DeineFreiheit - Kritik an Nestlé
Auf der offiziellen Konzernhomepage findet sich kein Wort zum Hashtag #Deine Freiheit.
Nun ja. Mir wäre das Ganze auch peinlich.
Dafür aber kann der*die Interessierte erfahren: 4,2 Prozent Umsatz in der ersten Jahreshälfte 2014.

,,Wir werden das Innovationstempo aufrechterhalten und unsere Markenunterstützung weiter verstärken.“ [Quelle: Nestlé-Homepage.]

Die Marketingkampagnen scheinen also ihren Zweck zu erfüllen. Es läuft gut für Nestle. In diesem Sinne:  #MeineFreiheit, das ist die Freiheit, keinen Nestea zu kaufen.

Gute Nacht.

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3 Kommentare

  • Frl. Zyx sagt:

    So wie Coca Cola zu Weihnachten etwas ganz besonderes suggestieren will, mit seiner harmonischen Truckrunde…
    Oder Ferero mit der paradisischen Werbung, oder dem Milch- und Zuckerglück.
    Ich weiß schon warum ich kein Tv schau, ich würde mich permanent über sowas aufregen.
    Wobei ich Nestle wetter, dass es ganz egal ist was sie ausdrücken wollen -und Freiheit ist so schön allumfassend-, ich denke es geht nur ums Mitziehen von der Nutzung modernster Technik/Programme..

1 Trackback

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