Meine eigene Meinungsänderung. (Veganismus und Feminismus.)
Vor einiger Zeit habe ich kurz über diesen Text geschrieben, in dem die Autorin die These aufstellt, wer Feminist*in ist, müsse als logische Folge davon vegan leben. Seitdem hat sich meine Meinung geändert und ich wollte meine veränderten Gedanken dazu kurz festhalten. Zum besseren Verständnis empfehle ich, zuerst meinen früheren Post zu lesen, indem ich den Text zusammenfasse, was ich hier jetzt nicht mehr tun werde.
Außerdem warte ich schon eine Weile auf die Gelegenheit, endlich mal einen Artikel mit dem Photo von Kühen einzuleiten, denn Kühe mit ihrem treudoofen Blick sind für mich sehr sehr süße Tiere. Here we go:
zwei Kühe auf bergiger Wiese
(Bild von Carsten Frenzl auf Flickr. CC 2,0.)
Aus heutiger Sicht stimme ich der Autorin definitiv nicht mehr zu. Es beginnt schon damit, dass Veganismus mit Antispeziezismus gleich gesetzt wird. In Wirklichkeit aber ist das eine ein bestimmtes Konsumverhalten und das andere eine politische bzw. vielleicht auch philosophische (?) Einstellung darüber, wie es Tieren ergehen sollten. Es ist wichtig, sich damit auseinanderzusetzen, was wir wie konsumieren. Es ist aber nicht der einzige Aspekt. Ernährungsumstellungen kosten Zeit und Aufwand, manchmal vielleicht auch Geld. Diese Ressourcen (Zeit, Geld) sind im Moment unter den Menschen ungleich verteilt. Das muss berücksichtigt werden bei so krassen Äußerungen, die im Grunde als Umkehrschluss nur zulassen, dass Menschen, die Tierprodukte verzehren, keine Feminist*innen sein könnten. Geld oder mangelnde Zeit können eine Ausrede sein, mit der sich privilegierte Menschen grundsätzlich dagegen wehren, ihr Konsumverhalte zu hinterfragen. Es können aber auch reale Gründe sein. Von außen sind wir nicht in der Position das zu beurteilen. Davon abgesehen gibt es noch viele andere sinnvolle Gründe, warum jemand nicht vegan lebt. Es ist nicht angemessen, zu urteilen.
Aus einem Grund kann ich aber mit der Beobachtung, dass weibliche Reproduktionsorgane speziell ausgebeutet werden, dennnoch etwas anfangen: Heutzutage ist es ja auch möglich, Tierprodukte zu meiden, weil man Massentierhaltung und das Töten von Tieren ablehnt, nicht jedoch die Tierhaltung an sich. Es ist ja theoretisch eine Welt vorstellbar, in der es keine Massentierhaltung gibt. Es gibt vielleicht in dieser imaginären Welt auch keine Tiere, die nur für die Fleisch“produktion“ gehalten werden. Dann könnte es aber immer noch Tiere, namentlich Hühner und Rinder geben, die gehalten werden, um Ei und Milch zu gewinnen. Davon ausgehend, dass die männlichen Tiere, die Küken und Kälber,  nicht, wie heutzutage üblich, getötet werden, sondern bis zu ihrem natürlichen Tode leben dürfen, wäre eine Gewinnung von Ei und Milch ohne das Töten von Tieren möglich. Ei und Milch würden durch den Wegfall der Massentierhaltung und die Aufzucht der so gesehen nutzlosen männlichen Tiere sehr viel teurer werden, aber es ist eben theoretisch denkbar. Auch das würde ich ablehnen, weil ich es eben immer noch falsch finde, die weiblichen Tiere derart körperlich auszubeuten. So weit ich weiß legen z.B. Hühner von selbst viel weniger Eier als in der Nutztierhaltung, wo sie durch allerlei Tricks dazu gebracht werden, mehr Eier zu legen. Das laugt sie körperlich aus und so sterben sie früher. Ich würde mir wünschen, dass Hühner und natürlich auch Kühe da nach ihrem natürlichen Rhythmus leben können und dann ist es wohl kaum noch möglich, in nennenswertem Umfang Eier und Milch zu nutzen.
Huhn im frontalen Portrait
Nicht nur Kühe, auch Hühner finde ich höchst possierlich, weswegen ich mir nicht verkneifen konnte, auch noch dieses Photo einzufügen. :)
(Bild
von Alois Staudacher auf Flickr. CC 2.0.)
Interessant finde ich in diesem Zusammenhang auch die Initiative Bruderhahn. Hier werden die männlichen Küken nicht getöten, sondern aufgezogen, danach allerdings ebenfalls geschlachtet. Für mich ist das zwar ein kleiner Fortschritt, aber nichts, was ich unterstützen wollen würde, weil hier immer noch das Töten der Hähne zwingender Bestandteil ist.
Alles in allem  kann ich mit dem Text, der mir vor einem halben Jahr so viel zu denken gab, heute nicht mehr viel anfangen. Interessant, wie schnell sich doch eine Meinung ändern kann. Meinungsbildung ist ganz offensichtlich ein Prozess.
Nur der Vollständigkeit halber wollte ich noch anfügen, dass ich selbst übrigens keine Veganerin bin, sondern Vegetarierin. Wenn ich irgendwo eingeladen bin, esse ich meistens vegetarisch, weil ich meinen Mitmenschen nicht zur Last fallen will. Selber kaufe ich aber keine Tierprodukte.
Wie immer freue ich mich über konstruktive Anmerkungen und Gedanken hierzu. Da bei den Themen Feminismus und Vegetarismus die Gemüter sich ja schnell erhitzen, noch ein spezieller Hinweis: Achtet darauf, freundlich und konstruktiv zu bleiben. Danke. :)
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2 Kommentare

  • Das Thema beinhaltet wirklich sehr viel Philosophie. Meiner Meinung nach gibt es keine Verallgemeinerung. Vegan = Feminismus steht für mich persönlich nicht direkten in einem Zusammenhang. Es kann jedoch eine logische Schlussfolgerung sein. Für mich kommt es immer darauf an, aus welchem Grund eine Person vegan lebt. Persönlich sehe ich mich nicht als kämpfende Feministin. Natürlich ist es mir wichtig. Trotzdem liegt mein Augenmerk derzeit mehr auf der Industrie. Die Gier nach Geld, Ruhm und Macht sowie die allgemeine Ausbeutung von Menschen und Tieren beschäftigt mich derzeit am meisten. Am Rand, ich bin selbst Veganerin. Ich möchte das Machtgehabe und die Manipulation der Industrie sowenig wie möglich unterstützen. Aus diesem Grund versuche ich auch so viel wie möglich selbst zu machen und meinen Konsum soweit wie möglich zu reduzieren. Mich zusätzlich noch für den Feminismus stark zu machen, wäre mir persönlich zu viel. Augen und Ohren können einfach nicht überall sein. Auch wenn ich das gerne könnte. Wenn es jemand schafft verdient er meinen vollsten Respekt.

    Zusammenfassend will ich eigentlich sagen, dass es in meinen Augen nicht den einen richtigen Weg gibt und schon gar nicht die perfekte Ansicht. Die Mischung machts.
    Könnte noch unzählige Zeilen dazuschreiben, da dies nur ein minimalistischer Ausschnitt meiner Gedanken dazu ist. 😉

    Wenn du dich für die unterschiedlichen Beweggründe von Veganern interessierst, sollte du am Montag auf meinen Blog schauen. Dort startet am 02.06. meine Reihe „Veganismus ist nicht gleich Veganismus“. Vier Veganerinnen erklären ihre Motive und Beweggründe.

    • Sabrina sagt:

      Danke für den ausführlichen Kommentar. :) Die Reihe werde ich mir mal anschauen.

      Ich weiß schon, was du meinst und, dass oft einfach nicht die Zeit und Kraft für alles vorhanden ist. Da geht es mir teilweise auch um die Haltung an sich. Es gibt so viele wichtige Themen und es ist vielleicht auch wichtig zu verstehen, dass sie alle ihre Berechtigung haben. Schwerpunkte wählt man dann persönlich. :)

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