Ein Jahr Balkongärtnern. Im Gespräch mit Melissa.
Letztes Jahr habe ich angefangen, auf meinem Balkon und dem Fensterbrett ein paar (Nutz-)Pflanzen zu hegen und zu pflegen und habe seitdem viel Freude daran. Mit dem Frühjahr wird das langsam wieder spaßiger und ich wollte mal wieder etwas dazu schreiben. Für diesen Beitrag konnte ich meine treueste grüne Begleiterin, die Melisse Melissa, für ein Gespräch gewinnen. Hier also unser Dialog über Pflanzgefäße, Sonnenlicht und den ganzen Rest.
Grüne Pflanze im Topf und Gesicht schauen sich an (von der Seite aus)
Pflanze und Mensch in lebhaftem gegenseitigem Austausch
Sab: Gut siehst du aus! Mir scheint, du bist in den letzten Tagen zu einer überaus gesunden und vitalen Pflanze gereift. Stimmt mein optischer Eindruck? Wie fühlst du dich? 
Melissa: Danke. Tatsächlich geht es mir sehr gut, seit ich in dem größeren Topf wohne, in den du mich verpflanzt hast. Ich kann mich zu neuen Höhen strecken, wachsen, und mich ausbreiten; oberirdisch und vor allem unterirdisch mit meinen Wurzeln. Ein wunderbares Gefühl! Du hast vielleicht ein bisschen unterschätzt wie wichtig der Untergrund für mein Wohlergehen ist. Bei anderen Pflanzen gilt das übrigens auch.
Sab: Es tut mir Leid. Mir war gar nicht bewusst, wie sehr du unter der Situation gelitten hast. Jetzt im Nachhinein sehe ich durch deine tolle Entwicklung aber deutlich, wie viel es bewirken kann, den Wurzeln ihren benötigten Raum zu geben. Leider war es wohl mein größter Fehler, am Anfang viel zu kleine Töpfe zu besorgen. Ich wusste es einfach nicht besser. Das rächt sich nun. Wie du gesehen hast, leiden auch einige der anderen Pflanzen unter diesem Problem. Sie haben einfach keinen Platz, richtig zu wurzeln.
Melissa: Oh ja. Du solltest sie fast alle schnellstens umtopfen, damit sie sich so richtig ausbreiten können.
Sab: Leider sind die Möglichkeiten in dieser Hinsicht äußerst begrenzt. Du siehst ja selbst, wie eng es jetzt schon auf der Fensterbank ist. Und auf dem Balkon kann nun mal vieles nicht gedeihen.
Melissa: Ich kenne den Balkon dank meines Stammplatzes auf der Fensterbank ja gar nicht. Das musst du jetzt mal genauer erklären.
Sab: Naja, zum einen ist er relativ schattig. Nur morgens gelangt das Sonnenlicht für wenige Stunden bis auf den Balkon. Den Rest des Tages gibt es nur Schatten. Viele Pflanzen, die ich gerne hätte, können unter solchen Bedingungen nicht leben. Das Licht ist so existenziell, dass einige es nicht geschafft haben. Der Lavendel war so ein Fall. (rip.) Bei anderen habe ich es gar nicht erst versucht. Tomaten zum Beispiel würden mit großer Sicherheit traurig verkümmern. Außerdem ist es ja im Moment noch sehr kalt, ab und zu friert es sogar. Auch das ist ein Todesurteil für einige Pflanzen.

 

Melissa: Wie wahr! Wenn ich das so höre, bin ich froh, hier am Südfenster zu wohnen und kann bestens verstehen, warum das so beliebt ist. Wer kann denn schon so leben, bei Minusgraden und Schatten!
Sab: Dem Knoblauch macht das nichts aus und auch der Rucola und der Mangold sind sehr gut gewachsen. Außerdem grüne Bohnen. Ich habe das Gefühl, alles, was grün ist, hat weniger Ansprüche. So als grobe Faustregel, von der es natürlich Ausnahmen gibt.


Melissa: Da kommen ja doch ein paar Sorten zusammen. Sonst nichts?

Sab: Dieses Jahr werde ich es außerdem noch mit Brokkoli, Erdbeeren, Kartoffeln und ein paar Kräutern versuchen. Da ich nun mehr recherchiert habe und Hilfe von einer sehr informierten Freundin bekommen habe, bin ich zuversichtlich, dass das klappt.

Melissa: Ärgerst du dich über die Fehler im letzten Jahr?

Sab: Nein. Ich betreibe eine Art learning by doing mit ein wenig Theorierecherchen, da gehört so etwas dazu. Mit jeder Pflanze lerne ich mehr. Außerdem fokussiere ich mich lieber auf das, was geklappt hat, statt auf die Pflanzen, die nicht gut gewachsen sind. Die winzig kleinen Ernteerträge waren immer sehr motivierend.


Melissa: Verständlich. Was hast du denn schon dazu gelernt?

Sab:

Große Töpfe sind besser.
– Avocadopflanzen sind für Katzen sehr attraktiv, aber leider giftig!
– Geduld zahlt sich aus, Pflege auch.
– Bio-Saatgut ist definitiv besser. Mit Freund*innen tauschen noch schöner.
– Noch etwas zum Saatgut: Ich war sehr entsetzt, dass ich aus Versehen etwas von Monsanto gekauft habe, ohne es zu wollen, nämlich von der Marke Sperli. Es ist interessant, sich mal näher mit dem Saatgut-Thema zu beschäftigen. (Hier eine Graphik, die zeigt, was zu Monsanto gehört.)
Hast du als Pflanze selbst dem noch irgendetwas hinzuzufügen?
Melissa: Für mich ist das Licht am wichtigsten.
Sab: Die Bedürfnisse sind da anscheinend auch sehr individuell.

Melissa: Was bedeutet das Pflanzen für dich?

Sab: Es ist ein Hobby, bei dem ich im wahrsten Sinne des Wortes schöpferisch tätig werde. Es bedeutet pflegen und sich kümmern. Pflanzen, das ist Komplexität, die aus einem kleinen Kern entsteht. Beim Pflanzen kann ich Entwicklungen beobachten und mit etwas Glück die Früchte meiner Arbeit ernten. Pathetisch gesagt erlebe ich den Kreislauf des Lebens. Ich habe eine bessere Meinung von der Arbeit, die mit Landwirtschaft verbunden ist, seit ich mich mit Pflanzen beschäftige. Auch, wenn ich das schon als Kind erlebt habe, ist mir jetzt wieder stärker bewusst geworden, wie meine Lebensmittel mit dieser Welt verbunden sind. Vor allem aber macht es sehr viel Spaß. Und was bedeutet Pflanzen für dich?
Melissa: Pflanzen bedeutet für mich Leben. Schließlich bin ich ja eine.
Sab: Das hast du schön gesagt. Es ist irgendwie auch eine Metapher für das Leben, zumindest in einem gewissen Sinne. Ich freu mich auf all die Pflanzen, die noch wachsen werden und das, was ich von ihnen lernen werde.


Melissa: Du hast nun sehr viel schwadroniert, Hippie. Es reicht. Ich werde nun wieder meine Blätter der Sonne entgegenstrecken.

Sab: Vielen Dank für das Gespräch, Melissa. Hab noch einen sonnigen Tag, kleine!

Zum Abschluss noch ein paar auf die schnelle geschossene Photos. So sieht es derzeit auf der Fensterbank aus. Der Balkon ist leider gerade zu dreckig und dunkel für Bilder… :)
Gruppenphoto; v.l.n.r: Ingwer, Chili, Kapuzinerkresse, Zucchini, Pfefferminze (ausgesät), Rucola, Brokkoli (ausgesät), Zitronenmelisse, Katzengras, Echinacea
http://www.kokonausluft.de/wp-content/uploads/2014/04/zucchini_auf_meiner_Fensterbank_im_Topf_Mitte_April_2014.png
 
oben links: Nahaufnahme Melissa
oben rechts: die Zucchini, die extrem schnell wächst
unten: die Zucchini, die schon Blüten bildet, obwohl ich sie doch eigentlich auf der Fensterbank bloß vorziehen wollte
Kapuzinerkresse, zum Posen gezwungen
Google+Tweet about this on Twittershare on TumblrPin on PinterestShare on Facebook

1 Trackback

Was denkst du dazu?