,,To be a Feminist is to be a Vegan“?
Diesen Titel trägt ein Artikel, auf den ich heute über Facebook gestoßen bin. Ich bin nicht sicher, ob ich den Autor*innen in allen Punkten zustimmen kann, und auch nicht sicher, ob ich es so deutlich ausdrücken würde, wenn ich es wäre, deswegen habe ich auch ein Fragezeichen hinter das Zitat gesetzt, doch die Parallelen, die hier gezogen werden, erscheinen mir erschreckend zutreffend.
Zur Erläuterung für diejenigen, die kein Englisch sprechen oder zu faul sind, den ganzen Text zu lesen: Die Autor*innen beschreiben die systematische Ausbeutung von (nichtmenschlichen) Tieren für Nahrungsmittel, also Fleisch, aber eben auch Milchprodukte und Eier als eine, die die weiblichen Tiere noch einmal besonders betrifft, denn:
,,the entire animal industry is built on the exploitation of the female reproductive system„.
Es werden die Praktiken beschrieben, mit denen Tiere ausgebeutet werden, zu denen zum Beispiel künstliche Besamungen und damit auch ungewollte Schwangerschaften und das spätere Wegnehmen des Kindes zählen. Dies führt zu folgender Feststellung:
 ,,even if all the heartless practices associated with factory farming were not customary, it is deeply troubling that the female reproductive system of any species is widely perceived as nothing more than an economic resource
Dem muss ich zustimmen. Auch, wenn kein Fleisch mehr gegessen würde und die Rinder in der Wirklichkeit tatsächlich glücklich auf Feldern grasen würden, bliebe bei Milchkonsum das Problem, dass eine Kuh nur deswegen ein Kind bekommt (bekommen muss), damit die Milch aus ihrem Körper getrunken werden kann, ihre Fähigkeit, schwanger zu werden und Milch auszubilden wird also einfach nur auf eine unmittelbare körperliche Weise genutzt, und zwar auf qualvolle Weise. Das ist der Grund, weswegen ich irgendwann auch nicht mehr mit Bioeiern oder Demeterkäse leben wollte.
Um auf die Eingangsfrage zurückzukommen: Muss jemand Veganer*in, oder in diesem Fall vielleicht treffender, Antispeziezist*in sein, um sich Feminist*in nennen zu können? Ich finde nicht, denn ich kenne viele Menschen, die sich zwar um Frauenrechte (von menschlichen Frauen*) bemühen aber nicht um Tiere, denen ich ihr Engagement und ihre Selbstbezeichnung nicht absprechen will, weil sie im Hinblick auf Tiere eine andere Sichtweise haben. Umgekehrt gibt es Veganer*innen, die schreckliche Machos sind oder wenig von Emanzipation halten. Deswegen sind sie aber trotzdem Veganer*innen, die etwas für Tiere tun und sich gegen einen speziellen Missstand einsetzen.
Es gibt aber eine Perspektive, aus der heraus die eingangs gestellte Frage durchaus mit ja beantwortet werden kann. Diese hängt mit dem Gesellschaftsbegriff, den jemand hat, zusammen. Wenn dieser aus einer konsequent antispeziezistischen Grundeinstellung hervorgeht, die Unterschiede (hierarchischer Art) zwischen Mensch und Tier als nicht existent ansieht, muss er sich auf alle Lebewesen beziehen. Wenn sich auf alle Lebewesen bezogen wird, ohne einen Unterschied zwischen der Wichtigkeit der Probleme von menschlichen Frauen* und weiblichen Tieren zu machen, dann gehört das am Ende tatsächlich zusammen und Feminismus ist nicht mehr nur für Menschen da.
Ich will mich von dieser Ansicht weder distanzieren, noch sie als meine eigene bezeichnen. Die Logik verstehe ich. Ich bin nur nicht sicher, ob ich Antispeziezistin bin und somit auch die Grundbedingungen als wahr ansehe. Ich bin unentschieden, das Thema beschäftigt mich aber gerade sehr. Wahrscheinlich handelt es sich bei diesen Ansätzen einfach um Gedanken, die ein wenig wirken müssen und vielleicht denke ich in ein paar Tagen schon anders darüber. Ich wollte es zur Diskussion stellen. Was denkt ihr über die Aussage im Titel?Achtung Update: Es ist der 30. Mai 2014 und ich denke inzwischen etwas anders, weswegen ich noch einen weiteren Post zum Thema verfasst habe.

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