sehenswert: Lunchbox
Gestern Abend habe ich endlich mal wieder einen Film gesehen, der mir so zusagte, dass ich ihn guten Gewissens weiterempfehlen kann. Ich spreche von der indischen Komödie Lunchbox.
Indien ist ein Land, dessen Kultur mich sehr interessiert und wenn dann auch noch würziges, mit Liebe gekochtes Essen eine der Hauptrollen spielt, dann bin ich eigentlich schon überzeugt. Da kann ich es auch mal ignorieren, dass die Geschichte des Films an sich ein klein wenig kitschig ist: Ila, eine etwas einsame Hausfrau und Mutter in Bombay, über deren Persönlichkeit wir nicht besonders viel erfahren, möchte die Gunst ihres Ehemannes gewinnen, indem sie ihm besonders schmackhaftes Essen zubereitet. Beraten wird sie dabei von einer Stimme aus dem Off, ihrer resoluten Nachbarin (,,Auntie“), die wir Zuschauer*innen nicht zu Gesicht bekommen.
Bildquelle: english.rfi.fr
Hier kommt nun eine Besonderheit Bombays ins Spiel: Es gibt ein raffiniertes, angeblich fehlerfreies System, mit dem die arbeitenden Männer der ganzen Stadt mit Lunchboxen beliefert werden, die das Essen enthalten, was ihre Frauen zu Hause am selben Tag gekocht haben. Dieses Botensystem gibt es tatsächlich, ich hatte vor einiger Zeit schon mal darüber gelesen. So ganz fehlerfrei scheint es aber dann doch nicht zu sein, denn Ilas Lunchbox, die für ihren Mann vorgesehen ist, landet Tag für Tag auf dem Tisch von Sayeed, einem kurz vor der Pensionierung stehenden Witwer.
Bildquelle: Filmcurry
Ila nimmt die Verwechslung hin, klärt sie nicht auf. Das Verhältnis zu ihrem Ehemann wird immer schlechter, sie entdeckt, dass er sie betrügt und sie spricht ihn nicht darauf an. Während Sayeeds grandiose, duftende Mahlzeiten an seinem Arbeitsplatz für Aufsehen sorgen, entspinnt sich ein Briefwechsel, in denen die beiden sich (natürlich von allen verborgen) ihre Gedanken mitteilen und von kleinen und großen Sorgen erzählen. Ila kocht Sayeeds Lieblingsgericht (Auverginen), er, der abends vor dem Fernseher allein um seine verstorbene Frau trauert, gibt ihr Tipps für ihre Ehe. Doch diese fruchten nicht.

Eines Tages und ein paar Missverständnisse später ist es dann endlich so weit: Ila verkauft all ihren Schmuck und verlässt ihren Mann, um ihre unglückliche Existenz in Mumbai hinter sich zu lassen und mit ihrer Tochter nach Buthan auszuwandern. Sayeed wird pensioniert und plant ebenfalls, der Stadt den Rücken zuzukehren. Ob sie das gemeinsam oder jede*r für sich tun werden, das soll hier nicht verraten werden… :)

Bei diesem Film habe ich mich genau so gefühlt, wie ich mich bei einer Komödie gerne fühlen möchte: Leicht und für zwei Stunden abgelenkt vom Alltagsstress, ohne ständig von den immer gleichen doofen Witze genervt zu sein, die es meiner Meinung nach viel zu oft in die erfolgreichen Komödien schaffen. Es sind eher kleine Details gewesen, die mich erheitert haben: lustige Nebenfiguren wie Sayeeds famos gespielter aufdringlicher Arbeitskollege, der in einer überfüllten Bahn auf dem Nachhauseweg schon mal das Gemüse für das Abendessen schneidet oder die resolute Auntie, Ilas Nachbarin mit der Krächzstimme. So soll es sein. Lunchbox ist genau der richtige Film, um einen grauen Novemberabend für kurze Zeit zu vergessen. Eine Empfehlung!

Übrigens habe ich auf der Filmhomepage auch einige Rezepte entdeckt und werde dann wohl bald mal richtig indisch kochen…
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