15 Dinge über meine Großeltern
In den letzten Tagen habe ich auf verschiedenen Blogs gesehen, dass die Schreiber*innen 20 Sachen über sich veröffentlicht haben. Ich möchte das hier mal ein wenig abwandeln und etwas über meine Großeltern erzählen. Ich schätze es sehr, wenn ich bei ihnen zu Besuch bin und sie sich plötzlich, unerwartet öffnen und mir ganz besondere Geschichten aus ihrem langen Leben erzählen. Immer wieder erstaunlich, was sich da so auftut.

(Hier ein Stück Sahnetorte bei Omi. Bei solchen Gelegenheiten gerät sie manchmal ins Erzählen…)

  • Meine Großeltern väterlicherseits haben in den 1950er Jahren geheiratet. Sie waren damals nicht aufgeklärt und wussten nicht genau, wie die kleinen Babies auf die Welt und in den Mutterleib kommen. Also haben sie sich nach der Hochzeit ein Aufklärungsbuch gekauft, dass sie auf einer Decke im Park zusammen gelesen haben.
  • Diese Großeltern haben sich in einem Barackenlager in Flensburg kennen gelernt, wo ihre Familien nach der Vertreibung zuerst Unterschlupf gefunden hatten.
  • Meine Oma hat schon mit 19 geheiratet, hat davor aber bereits einige andere Männer gedatet. Darunter war zum Beispiel Horst :D, dem sie hauptsächlich deswegen einen Korb gegeben hat, weil er sehr ungepflegte Zähne hatte, was sie anekelte. Ansonsten fand sie Horst galant und zuvorkommend.
  • Mein Großvater stammt aus Litauen, spricht aber bis auf wenige Sätze kein Litauisch (mehr?). Einige seiner Brüder, die älter sind als er, erinnern sich jedoch noch besser an die Sprache.
  • Ich bin mir nicht sicher, wieso und warum, aber es haben auch eine Zeit lang Russen auf dem Hof der Familie meines Großvaters gewohnt. Er fand sie nett, seine Schwester pflegte zu manchen gute freundschaftliche Beziehungen.
  • Meine Omi kann nicht schwimmen, obwohl sie viele Jahre lang direkt neben einem Freibad gewohnt hat, in dem all ihre vier Kinder schwimmen gelernt haben.
  • Als Kind ist meine Oma aus dem Kindergarten, den es damals gab, weg gelaufen, weil sie lieber bei der Kartoffelernte helfen wollte.
  • Das hat dazu geführt, dass sie dabei helfen musste, ihrer Erzieherin die Beine zu enthaaren. (Ja, absurd, aber so hat sie es mir erzählt.)
  • Meine Oma mütterlicherseits hat einen Großteil ihres Lebens in dem Haus gewohnt, in dem sie geboren wurde. Zwischendurch hat sie nur ein paar Jahre in anderen Städten und ein Jahr in Australien gelebt, aber allein am Ende ihres Lebens erneut mehr als 20 Jahre in diesem Haus verbracht.
  • Meine Großeltern mütterlicherseits haben in Australien geheiratet.
  • Trotzdem tat sich meine Oma sehr schwer mit der englischen Sprache, hat aber auch im hohen Alter noch Vokabeln gelernt.
  • Mein Opa erzählte mir häufig die Geschichte, wie sein Vater, also mein Urgroßvater, einen Winter während des Krieges (ich weiß nicht, welcher Krieg) nur überleben konnte, weil er sich größtenteils von Eicheln und Bucheckern ernährt hat.
  • Dieser Opa erzählte mir auch, dass es unter englischsprachiger Besatzung (britisch oder amerikanisch?) zu jeder Menge sprachlicher Missverständnisse gekommen ist. Die englischsprachigen Soldaten fragten nach eggs. Die Bewohner des kleinen Dorfes, in dem mein Großvater wohnte, dachten, sie wollten eine Axt haben, weil sich das so ähnlich anhört wie eggs. Sie holten eine Axt, woraufhin die Soldaten dachten, sie wollten sie angreifen, weil eine Axt ja auch eine Waffe sein kann.
  • Eine Freundin meiner Oma hat mir mal die Geschichte erzählt, wie sie mit dem Fahrrad vor dem Krieg geflohen ist.
  • Mein einer Opa ist gelernter Schiffsbauer, mein anderer Dreher. Meine Großmütter haben den größten Teil ihres Lebens damit verbracht, Kinder und/oder Enkelkinder zu betreuen und Hausarbeit zu erledigen. Ich weiß nicht, wer davon mehr gearbeitet hat…
Es zeigt sich, dass es manchmal für mich schwierig ist, dass ganze in geschichtliche Zusammenhänge einzuordnen, aber auch in alten, turbulenteren Zeiten gab es ja nun mal so etwas wie einen Alltag und so finde ich die Berichte noch immer interessant, sie stehen für sich selbst. Ich fürchte die Vorstellung, dass eines Tages niemand mehr da sein wird, der mir von ganz ganz früher erzählen kann. Was wisst ihr über eure Großeltern?
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