über Chiasamen, Machatee und Gojibeeren
eine Menge Gojibeeren

Das hier ist nicht nur ein Beitrag über eine Sorte Grüntee, die mindestens dreißig Euro pro 100 Gramm kostet und damit meinen Lieblings-Grüntee locker mal um fast das zehnfache überbietet, sondern auch ein Text über grüne Smoothies, vielleicht auch ein bisschen ein Beitrag über glutenfreies Essen (so ne Allergie ist ja auch irgendwie hip) und, wie oben  zu lesen Chiasamen, Macha, Gojibeeren. All dieser kulinarische fancy stuff, der mir täglich so auf  online und auch offline begegnet. Vorweg: Ich will hier niemanden den Appetit verderben oder gar angreifen und natürlich sollte, wenn es nach mir geht, jede_r essen dürfen, was er_sie will und glücklich damit werden! :)

Die Frage lautet eher: warum will er_sie nun genau das essen und damit glücklich werden? Persönlicher Geschmack? Körperliche Bedürfnisse? Sicherlich zum Teil, aber manchmal frage ich mich doch, was da eigentlich passiert, wenn plötzlich auf gefühlt jedem zweiten der ganzen Foodblogs, die ich so lese, die gleiche Abwandlung eines Chiasamenpuddings zu lesen ist (übrigens auch nicht gerade billig) oder es seit Wochen immer nur noch um Banane mit Spinat, verflüssigt, geht. (Schmeckt das wirklich? o.O)
Neben der Freude am Ausprobieren, die ich teile, scheint mir da auch genau das abzulaufen, was aus der Modewelt hinlänglich bekannt ist: Sehen, Gutfinden = Habenwollen. Irgendwer entdeckt irgendwie etwas neues (die Soziologie nennt diese irgendwers übrigens die early adopters), freut sich daran. Irgendwer macht dieses neue Etwas auch. Immer mehr machen es auch. Schneeballeffekt. Und schon gibt es einen neuen Trend. Das wäre ja noch kein Grund zur Sorge. Was mich daran stört ist die Kommerzialisierung, denn neben den Käufer_innen verdient ja auch der Handel ganz gut daran, dass plötzlich alle so auf [beliebiges Trendobjekt einsetzen] abfahren. Und wirbt dafür. Und hat ein Interesse daran, dass noch mehr darauf abfahren. Und bemüht sich, Wünsche zu erzeugen, unsere Geschmäcker und vor allem unsere Konsumlust zu beeinflussen. Das ist nicht gut, denn es ist weniger Selbstbestimmung. Außerdem gibt es eine Gruppe, die dabei immer draußen bleibt: die, die es sich nicht leisten können. Und irgendwie geht es plötzlich wieder nur um Konsum.In diesem Sinne plädiere ich dafür, öfter mal ein wenig kritisch mit all zu sehr gehypten Lebensmitteln (und anderen Trends) umzugehen und sich zu fragen, warum das denn jetzt gerade sein muss. Und jetzt esse ich mein Müsli mit Gojibeeren, denn die sind ja doch irgendwie ganz lecker. Danke, lieber Hype für diese Entdeckung. =) Morgen gibt’s dann wieder Kartoffeln, um diesem neumodischen Kram etwas entgegen zu setzen.

Auch die Gänseblümchen aus meinem Wohnzimmer gieren sofort nach den Gojibeeren. Die kleinen Modeopfer!

 

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